Inflation: Was uns die norwegische “Butterkrise” lehrt

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Wir müssen den Norwegern dankbar sein. Unter großer Aufopferung - Verzicht auf Weihnachtsplätzchen, horrende Butterpreise, blühende Schwarzmärkte – lehren sie uns, was Inflation wirklich voraussetzt: Knappheit. Und wie Knappheit zustande kommt, erklärt uns die Entwicklung in Norwegen auch: Der Butterkonsum, die Nachfrage nach Butter, ist schneller gestiegen als die Butter-Produktion, das Angebot an Butter.

Die Gründe dafür mögen noch so vielfältig sein: Ein Quasi-Monopolist, der Milchkonzern Tine, der neun von zehn Butterpackungen in Norwegen liefert, hat möglicherweise darin gefehlt, worin mehrere Marktteilnehmer nicht gefehlt hätten: in der Einschätzung von Angebot und Nachfrage auf dem Buttermarkt. Vielleicht hat er sich aber auch nur – wie die Energieriesen bei uns und Mono- und Oligopolisten, marktbeherrschende Unternehmen also, generell – höhere Gewinne versprochen und nicht geahnt, dass es so aus dem Ruder läuft. Witterungsbedingungen werden auch als Ursache für die Knappheit genannt, wie auch die hohen Zölle, mit denen Norwegen seine heimische Landwirtschaft schützt.

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Wenn hierzulande selbst so renommierte Ökonomen wie die Wirtschaftsweise di Mauro Inflationsängste in der Bevölkerung schüren und die Politik entsprechend beraten, sollte uns an dieser Stelle jedoch nur interessieren: Die Butternachfrage übersteigt das Butterangebot. Es herrscht Knappheit. Die Preise schießen in die Höhe. Das ist Inflation. Und sie wäre bedrohlich, würde sie nicht nur Butter betreffen, die zugegeben ein existentielles Gut ist, sondern auf den größten Teil oder gar den gesamten Warenkorb übergreifen, den wir so alltäglich konsumieren. Bedrohlich wäre diese Knappheit selbst dann aber auch nur, wenn wir uns nicht durch die Produktion anderer Waren, die wir ins Ausland verkaufen, Butterüberschüsse aus dem Ausland einkaufen können.


Bemerkenswert ist außerdem, dass selbst die explodierenden Butterpreise in Norwegen noch nicht für einen Einbruch der Nachfrage gesorgt haben. Das spricht – und das ist eine weitere Bedingung für Inflation – für eine stabile und sehr hohe Kaufkraft der norwegischen Bevölkerung. Der liegt in der Regel eine gesunde, manchmal auch übertriebene Lohnentwicklung zugrunde.

Eine gesunde Lohnentwicklung haben wir in Deutschland aber nun gerade nicht – sie hinkt seit Jahren der Produktivitäts- und Preisentwicklung hinterher. Und selbst wenn bei uns die Butter wider Erwarten knapp werden sollte, ließen sich die notwendigen Butterimporte zum Ausgleich der heimischen Angebotslücke spielend, quasi aus der Portokasse unserer Exportschüsse finanzieren, die ja eben auf unserer ungesunden Lohnentwicklung basieren. Stichwort: Lohndumping. Wie lange noch, das sei hier einmal dahin gestellt.

Deutschland: Kein Grund für Inflationsängste (Zur Vergrößerung auf Graphik klicken.)

An diesen Verhältnissen kann auch noch so viel Gelddruckerei aller Notenbanken der Welt nichts ändern – solange dieses Geld nicht in den Portemonnaies der breiten Bevölkerung landet und Knappheit schafft. Die breite Bevölkerung aber lebt nun einmal von Löhnen, Gehältern, Renten und sozialen Leistungen. Weil aber die Lohnentwicklung in Deutschland seit Jahren nicht Schritt hält mit der Produktivitätsentwicklung zuzüglich der zu verzeichnenden, aber nicht inflationären Preissteigerungen, verhält es sich eben so, dass wir uns um eines gewiss nicht sorgen müssen: Inflation.

Anteil der Arbeitnehmerentgelte am Bruttoinlandsprodukt in Deutschland und Norwegen, 1991-2011 (Zur Vergrößerung auf die Graphik klicken.)

 

 


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