Politikwissenschaftlicher Irrläufer: Langguths SPD-Analyse – die keine ist

Wenn ein ehemaliges Mitglied des CDU-Parteivorstandes über die SPD schreibt, ist natürlich von vornherein besondere Wachsamkeit geboten. Aber immerhin: Gerd Langguth unterrichtet Politische Wissenschaft an der Universität Bonn.

Schon sein Ansatz, den Fokus auf die Kanzlerkandidaten-Frage zu richten, zwingt ihn aber in das enge Korsett einer “Politikanalyse”, die über die Personenfrage nicht hinauskommen kann und damit im Kanon mit den so genannten Leitmedien an der Oberfläche bleiben muss.

Selbst an dieser Oberfläche aber, zeigt sich Langguth der Situation nicht gewachsen. Langatmig kaut er die einzigen Kandidaten durch. Man könnte fast meinen, es mit einer Art Guttenberg der Politikanalyse zu tun zu haben, denn alles ist längst in der einen oder anderen Form so zu lesen gewesen.

Das alles wäre also keinen Hinweis oder gar eine Diskussion wert. Haarsträubend ist jedoch, dass selbst ein Politikwissenschaftler meint, “Parteienanalyse” anhand von Umfragen betreiben zu können – und selbst dabei noch Fehler begeht und Widersprüche in der eigenen Analyse nicht erkennt:

“Zweifellos ist er von allen SPD-Kanzlerkandidaten der beliebteste in der Bevölkerung, nicht jedoch in der eigenen Partei”, schreibt Langguth über Steinbrück.

Dann schreibt er aber weiter unten im Text – und liegt diesmal richtig: “Gabriel, Steinmeier und Ex-Finanzminister Steinbrück haben als Spitzenkandidaten all ihre Wahlen verloren.”

Wie kann das sein, fragt sich da wahrscheinlich selbst der Spiegel-Online-Leser und nicht geschulte Politikwissenschaftler: dass Steinbrück der beliebteste SPD-Kanzlerkandidat in der Bevölkerung sein soll, aber bisher noch jede Wahl verloren hat?

Vielleicht, so meine These, liegt es daran, dass der Medienrummel um Steinbrück die ohnehin in ihrer Fragestellung und auf einen engen Personenkreis beschränkten Umfragen stärker beeinflusst, als die tatsächliche Wahlentscheidung der breiten Bevölkerung. Was immer aber auch der Grund dafür sein mag, einem Politikwissenschaftler hätte dieser Widerspruch auffallen müssen.

Vielleicht wäre eine reine Kandidaten-Diskussion gerechtfertigt, wenn man denn die Inhalte herausarbeitet, für die diese Kandidaten stehen, bzw., wenn diese Kandidaten für keine Inhalte stehen, dies zu benennen. Langguths Analyse benennt an keiner Stelle auch nur irgendeinen parteipolitischen Inhalt. Er spricht, nicht besser als ein Boulevard-Journalist vom “Siegertypen” (Wowereit), der gerade – an absoluten Verlusten an Wählerstimmen und am Verlust seines Direktmandates gemessen – eine Wahl krachend verloren hat. Insofern ist es auch falsch von Langguth von einem “relativ schlechten Wahlergebnis” zu sprechen. “Relativ” hat Wowereit die Wahl ja gewonnen.

::Buchtipp::


Man kann nur hoffen, dass so etwas kein Vorlesungsstoff für die Universität Bonn ist. Denn weder ist dies eine Analyse, noch dürfte irgendein Student die Meinung von Langguth teilen, die er sich auf der Grundlage seiner eigenen, langweiligen Analyse bildet: “Es bleibt also spannend in der SPD.” Spannend wird es in der SPD nur dann, wenn man sich ihre Politik anschaut und ihre Inhalte und Widersprüche aufdeckt und diskutiert. Von hier aus kann man dann auch ihr Personal “dingfest” machen und beurteilen. Eine hieran orientierte Politikwissenschaft könnte hierbei wertvolle Hilfe leisten.

 


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