FAZ/Patrick Bernau/Diskussion: Bildung war noch nie so nutzlos – wie in der Wirtschaftsredaktion der FAZ

Dass es um die Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) nicht gut bestellt ist, wissen unsere LeserInnen schon länger (siehe zum Beispiel hier und hier). Man muss sich ja aber schließlich der Qualität der Berichterstattung dort wie der eigenen Berichterstattung immer wieder versichern. Alles ist schließlich im Fluss. Alles könnte schließlich im Fluss sein. Nicht so bei der FAZ so scheint´s. Offensichtlich gelten in der Wirtschaftsredaktion der FAZ andere Maßstäbe als im Feuilleton. Patrick Bernau leitet immerhin als “verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online´ die Online-Wirtschafts- und Finanzberichterstattung” bei der FAZ. Und er ist ausgebildeter Volkswirt (siehe hier). Da ich der FAZ auf twitter folge, stieß ich auf folgenden Beitrag von ihm: “Geld bringt weniger – Reichtum war noch nie so nutzlos“. Schon beim Überfliegen des Textes erschienen mir die Ausführungen dieses leitenden Wirtschaftsredakteurs nicht eben schlüssig. So twitterte ich ihm sogleich eine erste polemische Reaktion: “Bei auch nur etwas realistischer Betrachtung, könnte man nicht viel eher schreiben: Bildung war noch nie so nutzlos?” Weil Bernau zurückfragte, “Wieso?”, musste ich mir schon etwas mehr Mühe geben, worauf sich eine kleine Diskussion entspann, die aber leider damit endete, dass Bernau die gestellten Fragen und Anmerkungen offensichtlich überforderten. Was sollte sonst der Grund sein, sie nicht zu beantworten bzw. nicht auf sie einzugehen? Neben den angerissenen Inhalten soll Sie das dazu einladen, Wirtschaft und Gesellschaft – Analyse & Meinung auch auf twitter zu folgen, denn es ist keineswegs selten, dass sich hier auf lockere Art solch kleinere Diskusssionen/Streitgespräche entwickeln, die viel über den Wirtschaftsjournalismus und über wirtschafts- und gesellschaftspolitische Themen verraten.

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Zum einen macht das von mir aufgegriffene Zitat aus Bernaus Blog-Text – “die Reallöhne steigen nur ungefähr so schnell wie die Inflation…” – deutlich, dass er offensichtlich nicht berücksichtigt, dass die Reallöhne mit Ergebnis der Inflation sind, es also allenfalls Sinn macht zu sagen, die Nominallöhne steigen nur ungefähr so schnell wie die Preise, der Reallohn bleibt daher unverändert. Was es dagegen besagen soll, die Reallohnentwicklung mit der Inflation zu vergleichen, erschließt sich mir nicht. Der ganze Text ist im übrigen derart verquer, dass er in der Tat einen eigenen Beitrag rechtfertigen würde, was an dieser Stelle aber nicht geleistet werden soll.

Die kritisch aufgegriffene Textstelle aus dem Blog-Text von Bernau passt wiederum auch sehr gut zu dem eingangs aufgegriffenen Text von ihm über Geld, Reichtum und Bildung. Denn auch hier berücksichtigt Bernau offensichtlich nicht klar, was real und was nominal ist. Ich musste dabei sofort an David Ricardo denken, den großen klassischen Ökonomen des beginnenden 19. Jahrhunderts. Was Ricardo über die Bedeutung der Nahrungsmittelpreise für die Höhe des Reallohns herausgearbeitet hat, lässt sich in meinen Augen stringent übertragen auf die “realen Kosten” von Bildung: Wer das Verhältnis von Bildungskosten zum jeweiligen Einkommen nicht berücksichtigt, kann nicht richtig beurteilen, wie “teuer” oder “billig” Bildung für den einzelnen oder bestimmte Einkommensgruppen oder auch auch für die Gesellschaft insgesamt ist oder geworden ist. Das versuche ich in den tweets auszudrücken. Leider ist Bernau nicht darauf eingegangen. Er antwortete lediglich noch: “Nie war Bildung so billig.” Das aber zeigt gerade, dass er die Bildungskosten nicht als “reale Größe” in Relation zum Einkommen begreift und damit auch nicht den ökonomischen Gehalt von “billig” oder “teuer”. Gerade, wenn die Einkommen sehr stark voneinander abweichen, müssen auch die “Kosten” für Bildung ganz unterschiedlich zu Buche schlagen. Für die Familie, die von Niedriglöhnen leben muss, sind die Bildungskosten nicht nur höher als für die Familie mit Villa am Grunewaldsee, sondern Bildung ist womöglich auch “teurer” als noch in den 1970er Jahren, als der Eigenfinanzierungsanteil für Bildung niedriger lag als heute. Das zu prüfen wäre sicherlich interessant und nicht so einfach. Berücksichtigen aber sollte man es in dem von Bernau gewählten Kontext meines Erachtens schon. Man denke nur einmal daran zurück, dass Bafög einmal ein Zuschuss war!

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