Ungleichheit und Wirtschaftswachstum: OECD klammert vorrangige Ursache aus

Jetzt hat auch die OECD festgestellt, dass eine ungleiche Einkommensverteilung der wirtschaftlichen Entwicklung schadet. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist laut OECD so groß wie seit dreißig Jahren nicht mehr. Besonders negativ würde sich der Unterschied zwischen Haushalten mit niedrigen Einkommen und dem Rest der Bevölkerung auswirken. Die OECD sieht eine wesentliche Ursache für die negativen Auswirkungen der Ungleichverteilung auf das Wirtschaftswachstum darin, dass die Einkommensungleichheit die Bildungschancen von Kindern aus armen Haushalten untergraben würde (“The paper finds new evidence that the main mechanism through which inequality affects growth is by undermining education opportunities for children from poor socio-economic backgrounds, lowering social mobility and hampering skills development.“). Die Auswirkungen ungleicher Einkommenverteilung auf das Wirtschaftswachstum sind jedoch viel unmittelbarer über den damit verbundenen Nachfrageausfall vermittelt:

Wenn sich die Löhne im Sinne einer funktionalen Einkommensverteilung zwischen Löhnen und Gewinnen nicht verteilungsneutral entwickeln (siehe dazu zuletzt hier), fällt die Entwicklung der Nachfrage hinter das Angebot zurück. Das durch Produktivitätsfortschritte steigende Produktionspotenzial kann nicht länger ausgelastet werden. Das reale Wirtschaftswachstum fällt niedriger aus als das Produktionspotenzial. Die Arbeitslosigkeit steigt. Hiervon sind wiederum in der Regel besonders Personen bzw. Haushalte mit niedrigen Einkommen betroffen. Dass eine stärkere personelle Ungleichverteilung der Einkommen insbesondere zu Lasten niedriger Einkommen diesen Prozess verschärft, ist eine alte Erkenntnis: Aus niedrigen Einkommen wir mehr konsumiert als aus hohen Einkommen.

Dass die davon betroffenen Personen oder Haushalte auch weniger Geld für Bildung ausgeben können, ist die notwendige Folge. Insofern ist es zu begrüßen, dass die aktuelle Studie der OECD auf dieses Problem aufmerksam macht. Eine Studie über ungleiche Einkommensverteilung vorzulegen, ohne die ihr zugrundeliegende Lohnentwicklung zu thematisieren und sich stattdessen auf einen daraus resultierenden Effekt, die Ungleichheit der Bildungschancen, zu konzentrieren, muss sich allerdings vorwerfen lassen, die grundlegenste Ursache für die Ungleichverteilung und deren negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum nicht untersucht zu haben.

Die vollständige Studie ist hier nachzulesen (.pdf): Trends in Income Inequality and its Impact on Economic Growth.

Siehe auch hier und hier.

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