Eine positive Entwicklung: Auch Süddeutsche Online führt Bezahlschranke ein

Am Wochenende wurde bekannt, dass auch die Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung (SZ) ein Bezahlmodell einführt. Das ist eine positive Entwicklung. Warum?

LeserInnen von Süddeutsche online sollen laut Medienberichten zukünftig nur noch zehn Artikel in der Woche kostenfrei lesen können. “Die Welt” berichtet: “Bestimmte exklusive oder aufwendig produzierte Beiträge wie die ´Seite Drei´, die Kolumne ´Streiflicht´ oder lange Interviews sind nur für zahlende Leser zugänglich.” Interessant übrigens, dass man darüber in anderen Medien nachlesen muss und nicht bei sueddeutsche.de fündig wird.

Wer die SZ kennt – ich lese sie zwar seit Jahren nicht mehr, habe sie aber früher gelegentlich gelesen – weiß, dass die “Seite Drei”, das “Streiflicht” oder lange Interviews journalistische Eigenständigkeit bieten. Sie gehen über das tägliche Wettrennen um die schnellste nachrichtliche Meldung und die allgemeine Berichterstattung, die in der Regel bei diesen Medien ohnehin maßgeblich von Nachrichten-Agenturen gespeist wird, weit hinaus. Sie reflektieren, fragen nach, liefern eigenständige Informationen, Meinung und Themen. Wer kann etwas dagegen haben, hierfür auch zu bezahlen? Niemand, der möchte, dass Journalismus unabhängig bleibt oder wieder wird und ein bestimmtes Niveau erreicht. Genau aus diesen Gründen und um die Existenz und den Ausbau des Mediums zu sichern, ist Wirtschaft und Gesellschaft – Analyse & Meinung (WuG) bereits im März 2013 dazu übergegangen, viele Beiträge, vor allem aufwendigere Analysen, im Abonnement anzubieten.

Umso erstaunlicher ist, dass einige diesen Schritt der Süddeutschen Zeitung wie generell die Einführung von Bezahlmodellen im Online-Journalismus als Einschränkung der Informationsfreiheit begreifen und damit argumentieren, nur die oberen Einkommensschichten könnten sich dann den Online-Journalismus noch leisten. Dagegen sprechen gleich mehrere Gründe.

Das bisher frei Publizierte in den einschlägigen Medien ist es häufig nicht einmal wert, geschenkt entgegengenommen zu werden. Man denke nur an die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung oder die der Frankfurter Allgemeine Zeitung oder die – wohl nicht grundlos noch freie – Berichterstattung in Spiegel online. Man muss sich ja direkt wünschen, dass Menschen, die so einseitig und oberflächlich informiert werden wollen, dafür bezahlen müssen. Entweder stirbt diese Berichterstattung dann frei nach Adam Smith den natürlichen Tot, nämlich den durch die Konkurrenz, oder sie hebt ihr Niveau und ist dann vielleicht auch ihr Geld wert.

Und die Meisten, die jetzt klagen, sie müssten für den Online-Journalismus bezahlen, sind einfach verwöhnt, um nicht zu sagen verzogen, durch die bisherige Netzkultur, nicht aber zu arm, um für einen ordentlichen Journalismus auch zu bezahlen. Man nehme nur den monatlichen Abonnement-Preis von WuG und überlege, wie schnell und für was zehn Euro im Monat, ja, an einem Tag schon, ausgegeben sind. Die alleinige Nachrichtenübermittlung indes wäre ja in jedem Fall durch die öffentlich-rechtlichen Sender gewährleistet, und auch die privaten Medien dürften was diese anbelangt nicht davon lassen, sie kostenfrei zu übermitteln, schon, um die Werbekunden bei der Stange zu halten und neue LeserInnen zu gewinnen.

Ich schätze die zunehmende Bezahlkultur in den Online-Medien daher so ein, dass sie geeignet ist, das journalistische Niveau und die journalistische Eigenständigkeit wieder zu heben, die in der Breite nicht zuletzt aufgrund der “freien Konkurrenz” immer neue Tiefpunkte erreicht haben. Und sie ist geeignet, das Bewusstsein und hoffentlich auch die Bereitschaft bei der Leserschaft zu stärken, dass ordentlicher Journalismus – wie andere Waren und Tätigkeiten auch – ordentlich bezahlt werden muss, um überleben zu können.

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