Roboter in der Wirtschaft, Davos: “Top-Manager der 350 größten Konzerne der Welt” verstehen´s nicht

Millionen Jobs fallen Weg“, titelt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) aufgeregt. “Roboter bedrohen einem Medienbericht zufolge bis 2020 rund fünf Millionen Jobs in den Industrieländern – vor allem in Deutschland“, trägt es Spiegel online mit zitternder Stimme weiter. Hintergrund ist eine “Umfrage unter den Top-Managern der 350 größten Konzerne der Welt”, vor denen sich die FAZ tief verneigt, wer weiß schließlich, ob ihr sonst wieder so ein Aufmacher “exklusiv” vorgelegt würde. Dafür kann man das Mitdenken und Hinterfragen doch schon mal unterlassen. Und gerade darin sind FAZ und Spiegel online ja ohnehin Weltklasse. Mit etwas Theorie in einem klugen Kopf, etwas weniger Sensationsgeilheit und Unterordnung vor vermeintlichen Autoritäten wäre es den Autoren dagegen zweifellos gelungen, die “Top-Manager” als “Blöd-Manager” zu entlarven. Aber dafür hätten die Herren und Damen Wirtschaftsjournalisten darüber hinaus ja auch gleich ihren heiligen Gral opfern müssen, mit denen sie nun schon seit Jahren ihre Leser für dumm verkaufen.

Und dieser heilige Gral heißt natürlich Lohnzurückhaltung. Lohnzurückhaltung bedeutet, dass sich der Lohn nicht entsprechend der Produktivität und des Inflationsziels der Europäischen Zentralbank entwickeln, sondern seine Entwicklung darunter liegen soll. Dann aber – diese Erkenntnis ist so alt wie David Ricardos Kapitel “Über Maschinerie” in seinen “Principles” (siehe dazu ausführlich hier) – muss technischer Fortschritt arbeitslos machen, weil dem gestiegenen Angebot nicht genügend Nachfrage gegenübersteht. Und Roboter sind nüchtern betrachtet nun einmal nichts anderes als eine weitere Dimension des arbeitssparenden technischen Fortschritts, den wir spätestens seit der Klassischen Ökonomie, deren herausragender Vertreter David Ricardo war, kennen, wenn nicht schon – weniger systematisch vielleicht – seit den Merkantilisten, die ja nicht, wie einige immer noch meinen, bloß angetreten waren, um Gold anzuhäufen.

Denn ich war und bin tief beeindruckt von der Richtigkeit der Bemerkung von Adam Smith, dass ´das Verlangen nach Nahrung bei jedem Menschen durch das beschränkte Fassungsvermögen des menschlichen Magens begrenzt ist, das Verlangen nach Annehmlichkeiten, nach Verschönerungen von Gebäuden, nach Kleidung, Equipagen und Wohnmöbeln aber ohne Ende und bestimmte Grenze zu sein scheint. (David Ricardo)

“Es gibt mehr Branchen, die Arbeitsplätze verlieren, als Branchen, die Arbeitsplätze schaffen”, zitiert die FAZ den Harvard-Ökonomen Larry Summers. Woher will der das aber wissen? Ob diese Entwicklung eintritt oder nicht, wird entscheidend davon abhängen, ob sich Produktivität je Erwerbstätigen und Löhne und -gehälter je Erwerbstätigen im Gleichschritt entwickeln und darüber hinaus das Inflationsziel berücksichtigen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sich genügend Nachfrage auf das Angebot richtet und somit den Unternehmen Anreiz geboten wird, in neue Produkte und Produktionsprozesse zu investieren, dass sich das Rad des Kapitalismus noch einmal und noch einmal schneller dreht, zum Wohle aller und nicht nur einiger weniger.

Ausführlich haben wir diese Thematik zuletzt 2013 in zwei Teilen behandelt, was zugleich zeigt, die Thematik ist, auch nur wenige Jahre zurück gehend und nicht gleich bis ins Jahr 1821, keineswegs neu:

Teil I: Macht Arbeit sparender technischer Fortschritt das Ziel Vollbeschäftigung obsolet? 

Teil II (und Schluss): Macht Arbeit sparender technischer Fortschritt das Ziel Vollbeschäftigung obsolet?


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