Konjunktur und Arbeitslosigkeit: Flassbeck irrt
Flassbeck Screenshot 2 - 21-05-2016

Ein Leser wies mich gestern auf folgende Aussage hin, die der Ökonom Heiner Flassbeck im Rahmen seiner jüngsten Konjunkturanalyse zur Europäischen Währungsunion (EWU) getroffen hat: “Erst wenn es einen unzweideutige Belebung der Konjunktur gibt, kann man auch mit den Arbeitslosenzahlen wieder als Konjunkturindikator arbeiten.” Das ist, wie unsere Konjunkturanalyse für die EWU auf Basis der Arbeitslosenzahlen zeigt, falsch (siehe zuletzt hier). Im Gegenteil, die Arbeitslosenzahlen erweisen sich auch für die EWU insgesamt – wie selbst für einzelne Länder, die sich in einer extremen Krisensituation befinden, wie beispielsweise Griechenland – als wertvoller Konjunkturindikator, sowohl im Abschwung, als auch im Aufschwung und im Konjunkturverlauf insgesamt. Einen Hinweis darauf ergibt bereits der Verlauf der Zuwachsraten von realem BIP (Konjunktur) und der Zahl der Arbeitslosen, wie die folgende Graphik für den Zeitraum 1999 bis 2015 zeigt.

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Auch der Blick auf die kürzere Frist zeigt, basierend auf denselben Zahlen, dass der Verlauf trägt.

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Die Arbeitsmarktzahlen sind dabei als Konjunkturindikator verlässlich, obwohl sie für sich genommen in Krisenländern sicher nicht das wirkliche Niveau widerspiegeln, das unter Einbeziehung derer, die sich beispielsweise aufgrund mangelnder Aussichten vom Arbeitsmarkt abgewendet haben, höher liegt, als die offiziellen Zahlen, wie wir zuletzt im Rahmen unserer jüngsten Konjunkturanalyse zu Griechenland aufgezeigt haben. Diesem Problem konnten wir uns im Fall Griechenland aber wiederum mittels offizieller Zahlen über die so genannten Inaktiven annähern (siehe hier). Als Konjunkturindikator aber, können auch im Fall Griechenland die offiziellen Arbeitslosenzahlen wertvolle Hinweise für die Einschätzung des Konjunkturverlaufs geben, sobald man die Veränderungsraten zugrundelegt und erst recht im Rahmen einer sorgfältigen Interpretation der von Claus Köhler, Ökonom und ehemaliges Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, entwickelten Spannungszahl, die uns nunmehr seit Jahren für unsere regelmäßigen Konjunkturanalysen zur wirtschaftlichen Aktivität in Deutschland, Frankreich, der EWU insgesamt und anderen einzelnen Ländern in der EWU sowie in den USA und in der Schweiz dient.

Warum ist dieser Befund so wichtig? Über die positiven Eigenschaften der Arbeitslosenzahlen bzw. – weiter gefasst – der Arbeitsmarktzahlen als Konjunkturindikator hinaus, macht er deutlich, dass der Verlauf von Konjunktur und Arbeitslosigkeit wohin man auch schaut eng ist. Das ist deswegen so zentral, weil es die europäischen Institutionen (EZB, Europäische Kommission, Euro-Gruppe) und insbesondere die politisch Verantwortlichen in Deutschland sind, die den Zusammenhang von Konjunktur und Arbeitslosigkeit – anders als in den USA – missachten und stattdessen “strukturelle” Faktoren zur Erklärung der Wirtschaftsentwicklung bemühen. Mit dramatischen Folgen, wie wir seit langem immer wieder aufzeigen. Wer meint, die Arbeitslosenzahlen taugen als Konjunkturindikator unter welchen Umständen auch immer nicht länger, sollte zumindest den aufgezeigten Verlauf prüfen.

Die Graphiken oben, bilden den Zeitraum bis 2015 ab. Das europäische Amt für Statistik, Eurostat, aber hat bereits die Arbeitslosenzahlen bis März 2016 aktualisiert. Hier also ergänzend die Entwicklung der Spannungszahl bis zum aktuellen Rand und eine Einschätzung der Konjunktur. Am 7. Juni wird Eurostat die neuesten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2016 melden. Bisher hat es nur eine erste Schnellmeldung zum Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2016 über saisonbereinigte Daten gegeben.

Der Verlauf der Spannungszahl zeigt, dass sich die Konjunktur in der EWU im ersten Quartal…Konjunktur und Arbeitslosigkeit: Flassbeck irrt (vollständiger Beitrag im Abonnement)


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