Elektromobilität: Tritt die IG Metall endlich einmal nicht auf die Bremse?

Spiegel online berichtet, dass die IG Metall eine rasche Abkehr von Benzin- und Dieselautos fordere und beruft sich dabei auf ein Strategiepapier der Industrie-Gewerkschaft. Darin fordere die IG Metall “sich nicht in eine Rolle des ´Bremsers und Blockierers´ gegen strenge Grenzwerte drängen zu lassen”. Tatsächlich ergibt unsere Recherche, dass sich die IG Metall schon früher für die stärkere Förderung von Elektromobilität eingesetzt hat. Ein wichtiges Motiv: die “Sicherung zukunftsfähiger Arbeitsplätze“. Tritt die IG Metall bei der Energiewende also endlich einmal nicht auf die Bremse?

So spricht sich die IG Metall bis heute für die Befreiung der Industrie von der EEG-Umlage aus, obwohl selbst die energieintensivsten Wirtschaftszweige in Deutschland wettbewerbsfähig sind (siehe dazu unter anderem hier). Sie belastet damit nicht nur ihre Mitglieder, die, wie alle Verbraucher, entsprechend mehr für die Energiewende bezahlen müssen. Sie bremst damit auch die Entwicklung technischer Neuerungen, für die die Mehrkosten der EEG-Umlage der Industrie einen Anreiz geben würden, zu investieren. Damit bremst sie auch die “Sicherung zukunftsfähiger Arbeitsplätze”.

Ein strategischer Fehler, den die IG Metall jetzt möglicherweise bei der Elektromobilität nicht wiederholen möchte. Als zu rasant vielleicht zeichnen sich die bahnbrechenden Entwicklungen hier ab, durch die die deutsche Autoindustrie dauerhaft ins Hintertreffen geraten könnte.

Das scheint zumindest der IG Metall-Planungschef Frank Iwer erkannt zu haben, den Spiegel online mit den Worten zitiert: “Technische Raffinessen, um die Emissionen zu senken, helfen uns nicht mehr weiter. Es geht um einen Systemwechsel bei Vollgas.”

Gemessen daran bewegt sich aber auch die IG Metall immer noch im Schneckentempo, wenn sie, laut Spiegel online, fordert, dass die Fahrzeughersteller ab 2018 lediglich ein Modell mit Elektro- oder anderem alternativen Antrieb im Sortiment haben sollten. Dass Deutschland in diesem Tempo noch zum “Leitmarkt” für Elektromobilität werden könnte, erscheint zweifelhaft.

Es könnte auch hier wieder nur eine Frage der Zeit sein, bis die IG Metall dann erneut auf den Zug der Protektionisten aufspringt, wie im Fall der Stahlindustrie und der betreffenden Konkurrenz aus China (siehe dazu hier). Hier wie dort sind es aber zuallererst Entwicklungen, die die deutsche Industrie verschlafen hat, auch, weil sie von der Wirtschaftspolitik mit immer neuen Zugeständnissen und Subventionen verwöhnt wird – und weil es auch die IG Metall wie die Gewerkschaften insgesamt an strategischem und fortschrittlichem Denken haben fehlen lassen.


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