Wirtschaftswissenschaften: Was Theorie leisten sollte – Von Claus Köhler

Anmerkung der Redaktion: Der folgende Beitrag bezieht sich auf die am 19. Januar 2017 erschienene Rezension des Buches “Das Ende der Heterodoxie? Die Entwicklung der Wirtschaftswissenschaften in Deutschland” von Arne Heise, Henrike Sander und Sebastian Thieme. Claus Köhler, Jahrgang 1928, ist Professor emeritus in Volkswirtschaftslehre. Er war von 1969 bis 1974 Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und von 1974 bis 1990 Mitglied des Direktoriums und des Zentralbankrats der Deutschen Bundesbank. Sein zuletzt erschienenes Buch trägt den Titel “Wirtschaftspolitische Ziele in der globalen Welt”.

Eine Diskussion über die Ausrichtung der Wirtschaftswissenschaften ist schon lange überfällig. Hoffentlich führt sie einmal zu einer positiven Entwicklung.

Als ich meinen Aufsichtsratsvorsitzenden bat, mein Ausscheiden aus dem Vorstand zu billigen, weil ich dem Ruf auf einen Lehrstuhl nachkommen möchte (Anmerkung der Redaktion: Claus Köhler ist 1966 einem Ruf als Professor für Volkswirtschaftslehre an die Technische Universität in Hannover gefolgt, nachdem er zuvor im Bankensektor gearbeitet hatte), frug er, warum ich das wolle. Ich sagte ihm, als Banker und als Wissenschaftler spüre ich die Kluft zwischen Praxis und Theorie besonders stark. Ich möchte etwas dazu beitragen, diese Kluft einzuebnen.

Daran habe ich stets gearbeitet. Natürlich musste man an einer Theorie arbeiten und sie veröffentlichen, bei mir in Band III der Geldwirtschaft. Sie musste geeignet sein, zu jeweils auftretenden Problemen Stellung zu nehmen. Solche Stellungnahme muss für jeden, den sie interessiert, verständlich sein. Ich fühlte mich durch meinem “Lehrer” Oskar Morgenstern, der im Jahre meiner Geburt – 1928 – seine “Wirtschaftsprognose” veröffentlicht hatte, bestätigt. Dort hieß es (S. 122): “Dieses richtige Verhalten ist: sich auf möglichst vollständige, möglichst rasche und möglichst weit zu verbreitende Information über die gegenwärtige Wirtschaftslage zu beschränken und alle Interpretation auf das Minimum technischer Notwendigkeiten hinabzudrücken.” (Oskar Morgenstern, Wirtschaftsprognose: Eine Untersuchung ihrer Voraussetzungen und Möglichkeiten, Wien 1928).

Zuvor bereits als Reaktion auf die eingangs erwähnte Rezension erschienen: Wolfgang Schöller, Wirtschaftswissenschaften: Konfessionelle Abgrenzungen taugen nichts


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