Europäische Währungsunion: Der lange Weg zur Vollbeschäftigung – und wie er sich verkürzen ließe

Anfang April hat das europäische Amt für Statistik, Eurostat, die aktuellsten Arbeitsmarktdaten für die Europäische Währungsunion (EWU) veröffentlicht. Zuletzt (Februar 2017) lag die saisonbereinigte Arbeitslosenquote bei 9,5 Prozent. Der unbereinigte Ursprungswert lag bei 9,9 Prozent; im Vorjahresmonat lag der Ursprungswert bei 10,8 Prozent, ein Jahr davor hatte die Arbeitslosenquote 11,7 Prozent betragen. Die Arbeitslosigkeit wäre demnach in den vergangenen zwei Jahren Jahr für Jahr um 0,9 Prozentpunkte gesunken. Im Jahresdurchschnitt lag die Arbeitslosenquote 2016 bei 10 Prozent, 2015 bei 10,9 Prozent, 2014 bei 11,6 Prozent. Eine Arbeitslosenquote von zehn Prozent liegt weit entfernt von dem Wert, der allgemein als Vollbeschäftigung definiert wird: eine Arbeitslosenquote von drei bis vier Prozent.

Eine andere Quelle der EU-Kommission verrät jedoch, dass es um den Arbeitsmarkt auch vor Ausbruch der Finanz- und Eurokrise 2009 nicht gut bestellt war. So betrug die Arbeitslosenquote zwischen 1998 und 2002 9,2 Prozent, zwischen 2003 und 2007 8,7 Prozent. Zwischen 2008 und 2012 stieg sie dann auf 9,8 Prozent und dann weiter in 2013 auf 12 Prozent. Die EWU war also schon immer weit entfernt von Vollbeschäftigung. Das gilt im übrigen auch im internationalen Vergleich mit den USA, wo die Arbeitslosenquote nach derselben Quelle in denselben Zeiträumen respektive 4,6 Prozent (1998-2002), 5,2 Prozent (2003-2007) und 8,3 Prozent (2008-2012) betrug. Von diesem Höchstwert sank sie dort dann stetig und liegt heute bei dem Wert – etwa 4,5 Prozent -, bei dem die US-Notenbank Vollbeschäftigung (maximum employment) gegeben sieht, wenn sie auch weiterhin Probleme am US-Arbeitsmarkt nicht verneint, sondern diese seit jeher viel stärker und angemessener problematisiert als die EZB. Anders als die Europäische Zentralbank und anders als die EU-Politik insgesamt hat die US-Notenbank neben ihrem Inflationsziel von zwei Prozent allerdings auch ein Beschäftigungsziel.

Wir berechnen jedes Jahr, sobald die erforderlichen Daten zur Verfügung stehen, das Wirtschaftswachstum, das notwendig wäre, um in einem bestimmten Zeitraum auch in der EWU Vollbeschäftigung zu erreichen. Dass das dafür notwendige Wirtschaftswachstum keineswegs illusorisch ist haben wir auch in den Vorjahren begründen können. So auch zu den unten angestellten aktuellen Zahlen. Dass das notwendige Wirtschaftswachstum nicht nur nicht zu Lasten der Umwelt gehen muss, sondern der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit dienen kann und soll, lässt sich ebenfalls recht einfach verdeutlichen. Man denke nur an die Entwicklung und Produktion alternativer, umweltfreundlicher Technologien, die Bewältigung ökologischer Altlasten und an bessere Bildung und soziale Dienste.

Das von der EU-Kommission erwartete Wirtschaftswachstum liegt deutlich unter jenem zur Erreichung von Vollbeschäftigung notwendigen Wirtschaftswachstum, wie wir unten ebenfalls aufzeigen. Entsprechend geringer fällt der erwartete Rückgang der Arbeitslosigkeit aus. Ohne eine spürbare Verbesserung der Aussichten für die betroffenen Arbeitslosen, wieder einen Arbeitsplatz zu erhalten, der ihre Existenz und die Teilhabe an der Gesellschaft sichert, werden sich aber aller Voraussicht nach auch nicht die politischen Turbulenzen in der EWU beruhigen, die sich politisch vor allem darin äußern, dass radikale Parteien Zustimmung erhalten, die sich gegen ein gemeinsames Europa wenden…Europäische Währungsunion: Der lange Weg zur Vollbeschäftigung – und wie er sich verkürzen ließe (vollständiger Beitrag im Abonnement)


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