Tag Archiv für Albrecht Müller

Wahlbeobachtung: Zwischen Verfolgungswahn und Euphorie

Die Wahlbeobachtung zur Wahl im Saarland ist interessanter, als das Wahlergebnis. Das Wahlergebnis ist nicht wirklich überraschend, wenn man nur die Umfragen verfolgt hat, der Schulz-Euphorie nicht auf den Leim gegangen ist, sondern die Entwicklung seit seiner Kandidatur nüchtern analysiert (siehe hierzu unsere letzte Analyse hier) und vor allem nicht eigene Wunschvorstellungen auf die Wähler projiziert. Einen der größten Ausfälle bietet sicherlich Albrecht Müller, Herausgeber der NachDenkSeiten, der das für ihn unbefriedigende Wahlergebnis weniger erklärt, als dazu nutzt, Verschwörung allerorten auszumachen.

Medienanalyse, Hartz IV: NachDenkSeiten liegen erneut daneben

Wir sind im Rahmen unserer Analysen immer wieder zu dem Ergebnis gelangt, dass ein Kernstück der Agenda 2010, Hartz IV, weder die hauptsächliche Ursache für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit berücksichtigt (siehe dazu weiter unten), noch zur Lösung der Arbeitsmarktprobleme beiträgt, sondern diese sogar verschärft. Die negativen Auswirkungen von Hartz IV auf die psychische und materielle Lebenssituation der Betroffenen und auf die allgemeine Lohnentwicklung haben wir ebenfalls immer wieder hervorgehoben. Insgesamt dürfte Hartz IV – neben anderen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Fehlentscheidungen – damit auch maßgeblich für die Situation derer verantwortlich zeichnen, die sich “abgehängt” fühlen oder sich davor ängstigen, in diese Situation zu geraten. Das wiederum dürfte, wie wir ebenfalls immer wieder bestätigt gefunden haben, die gestiegene Popularität von radikalen Parteien wesentlich befördert haben. So kritisch, wie Hartz IV vor diesem Hintergrund zu bewerten ist, so wenig darf es angehen, in der Kritik wesentliche Entwicklungen falsch darzustellen oder unten den Tisch fallen zu lassen. Ein solches Vorgehen macht es den Befürwortern von Hartz IV leicht, den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen und kann daher der Aufklärung und der Entwicklung von Alternativen nur im Wege stehen. In diesem Sinne kann eine Anmerkung vom Redakteur der NachDenkSeiten, Jens Berger, auf die uns ein Leser aufmerksam machte, nur kontraproduktiv sein. Wir haben die NachDenkSeiten bereits vor nicht allzu langer Zeit für eine unkritische Übernahme einer Konjunkturberichterstattung von Heiner Flassbeck kritisiert (siehe hier). Die Reaktion des Herausgebers der NachDenkSeiten, Albrecht Müller, darauf war inhaltsleer und verlief weit unter der Gürtellinie, verbunden mit der Aufforderung, sich nicht weiter an anderen abzuarbeiten (siehe hier). Das lädt uns natürlich erst recht ein, die NachDenkSeiten, genauso wie die bekannten etablierten Medien, im Rahmen unserer Medienbeobachtung und Medienanalyse kritisch zu begleiten.

Geschützt: Medienanalyse, Hartz IV: NachDenkSeiten liegen erneut daneben (vollständiger Beitrag im Abonnement)

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Reaktion von Albrecht Müller auf kritischen Beitrag zu den NachDenkSeiten

Am 23. August ist in Wirtschaft und Gesellschaft – Analyse & Meinung (WuG) ein kritischer Beitrag zu den NachDenkSeiten und Makroskop erschienen (siehe hier; Leserbrief vom 6. September dazu auch hier). Jetzt erreichte mich soeben eine E-Mail des Herausgebers der NachDenkSeiten, Albrecht Müller, aus der unten die Passagen wiedergegeben werden, die sich auf den Beitrag beziehen (keine Anrede und Rechtschreibung im Original):

NachDenkSeiten, Makroskop: Keine Alternative

Sie beklagen, dass die etablierten Medien ihrer Aufgabe, den demokratischen Willensbildungsprozess zu befördern, nicht gerecht werden (1). Und sie klagen an. Die NachDenkSeiten: Die Medien würden manipulieren, indem sie zum Beispiel wichtige Informationen verschweigen (2). Makroskop: Statistische Ämter würden ihre Berechnungen nach den Erwartungen von Politikern ausrichten (3). Sie “wollen die Qualität der öffentlichen Meinungsbildung und damit auch die Qualität der politischen Entscheidungen fördern” und “ein Angebot sein für jene, die in den meinungsprägenden Medien kein ausreichend kritisches Meinungspotential mehr erkennen.” (4) Wie ist es aber um die Qualität der öffentlichen Meinungsbildung und das kritische Meinungspotenzial dieser beiden Medien selbst bestellt?

Böhmermann: Wie ich ihn kennenlernte

Ich habe, soweit ich zurückdenken kann, keinen Fernseher mehr. Doch halt, an Harald Schmidt erinnere ich mich noch. Er hat damals wirklich etwas neues auf die Mattscheibe gezaubert. Dieser tabulose Humor, die Dramaturgie, seinen Gästen im Studio Honig um den Mund zu schmieren und, sobald sie draußen sind, über sie herzuziehen. Stichwort: Bettina Böttinger! Die ihn freilich nicht verstanden hat. Diese Mischung zwischen burlesker, völlig Sinn entleerter Blödelei bis hin zur verspielten Satire, in alle Richtungen austeilend, ohne moralische Bevormundung und Belehrungen, wie sie sich links gerierende Satiriker so gern zu eigen machen, sondern auf den Verstand seiner Zuschauer vertrauend. Was das mit Böhmermann zu tun hat? Geduld, Geduld.

Darum ist Hannelore Kraft keine Alternative zu Peer Steinbrück

Vor wenigen Tagen war auf dieser Seite bereits zu lesen, dass die SPD mit Kanzlerkandidat Peer Steinbrück noch “Luft nach unten hat“. Vielleicht gewährleistet in turbulenten Zeiten wie diesen, in denen die Welt bisweilen Kopf steht, Satire ja wirklich den realistischeren Zugang zur Politik. Nun hat eine Umfrage ergeben, dass Steinbrück jetzt schon unbeliebter ist als Westerwelle. Überraschend ist indes eher das Umfrageergebnis für Hannelore Kraft und die diese begleitende Diskussion.

Zitat des Tages: Jan Stöß “linker” Landesvorsitzender der Berliner SPD

Das ist eine politische Granate, dieser Jan Stöß, seines Zeichens Landesvorsitzender der Berliner SPD. Schon auf dem Berliner Landesparteitag hat er sich durch einen besonderen Realismus ausgezeichnet, etwa durch Sätze wie diesen: “Wir sind die Partei der sozialen Gerechtigkeit und sonst niemand.” Ja, so wird man SPD-Landesvorsitzender, wenn auch ohne Basis-Votum, gegen das sich Stöß, anders als sein Kontrahent, laut Berliner Zeitung damals aussprach.

Aktuelle Nachrichten und Hintergrund: Ob Steinbrück Steinmeier noch “unterflügeln” wird?

Und was sagt die SPD dazu?

Albrecht Müller greift auf den NachDenkSeiten die aktuellen Umfragewerte für Steinbrück und die SPD auf. Wichtiger als der Verweis auf die Umfragewerte ist in meinen Augen seine Wiedergabe einer SPD-Sympathisantin: “Der verdiente an einem Abend so viel wie viele andere im ganzen Jahr. Dafür mach ich keinen Finger krumm.” Das und die Einschätzung Müllers decken sich mit der Einschätzung in diesem Beitrag vom 31. Oktober, in dem auch das langjährige SPD-Mitglied Ursula Engelen-Kefer zu Wort kommt, und den wir aus aktuellem Anlass noch einmal zur Lektüre empfehlen: