Tag Archiv für Assad

Assad-Interview: Thomas Aders nimmt Stellung – warum jetzt eine Richtigstellung der ARD/Tagesschau wichtig ist

Thomas Aders hat jetzt ausführlich Stellung zu den gegen ihn im Raum stehenden Vorwürfen genommen, die im Nachklang seines Interviews mit Assad geäußert wurden (siehe seine Stellungnahme hier). WuG hatte hierzu gestern umfassend berichtet. Die Stellungnahme ist gleich aus mehreren Gründen bemerkenswert.

Assad-Interview, Thomas Aders, Deutscher Journalistenverband: “Sachliche und faire Berichterstattung”?

Im Nachklang des Interviews, das Thomas Aders für die ARD mit dem syrischen Staatspräsidenten Baschar al-Assad geführt hat, wurde in den “Deutschen Wirtschaftsnachrichten” (DWN) der Vorwurf laut, Aders habe in einem Gespräch mit einem ARD-Moderator sein eigenes Interview mit Assad falsch wiedergegeben. Ich habe diesen Vorwurf anhand der Originalquellen, auf die die DWN verweisen, geprüft und als berechtigt befunden (siehe vor allem hier das Interview im Wortlaut und das auf derselben Seite eingestellte Video). Daraufhin habe ich am 3. März einen tweet an die Adresse von Aders gesendet und ihn gefragt:

Syrien/Friedenskonferenz/fehlende Neutralität: Kerry und Ban-Ki-Moon – Ein Elefant und ein Duckmäuser

Wenn es nach US-Außenminister Kerry gegangen wäre, wäre Syrien wohl bereits von den Amerikanern und Engländern bombardiert worden (siehe hierzu zum Beispiel: Kerry wirbt in US-Senat für Militärschlag). So wie Libyen oder schlimmer noch der Irak. Gibt es aber irgendwo auf der Welt gefährlicheres Terrain als im Irak, in Libyen, in Afghanistan, in Pakistan, kurzum überall dort, wo versucht wird mit militärischen Mitteln gewaltsam Interessen durchzusetzen? Und was sind das für Interessen? Ist es wirklich der Frieden, ist es Demokratie, die das undurchsichtige Spiel des Westens mit der Macht bestimmt? Wer mag daran noch glauben, nach all dem, was in jüngerer und schon länger zurückliegender Zeit bekannt geworden ist? Wie die jüngst bekannt gewordene Studie zweier US-Forscher, der eine ehemaliger UN-Waffeninspekteur, der andere Professor am renommierten MIT, über die Giftgasangriffe in Syrien, die der offiziellen Darstellung der US-Regierung fundamental widerspricht. Die Darstellung der US-Regierung fand damals breiten und weitgehend unwidersprochenen Widerhall auch in deutschen Medien. Die Darstellung der Studie durch die beiden US-Forscher fand dagegen nur marginale Erwähnung. In den so genannten Leitmedien meines Wissens nach gar keine. Von Ban-Ki-Moon hat man bei der eingangs erwähnten Eskalation nicht viel gehört. Der Auftakt zur Syrien-Friedenskonferenz heute gibt wiederum wenig Anlass, dass diese beiden Diplomaten eine positive Figur machen – vor allem, weil sie nicht diplomatisch sind, sonder sich als Herren im Hause aufspielen.

Man muss die brutale Staatsgewalt in der Türkei, Syrien, den USA, in Deutschland und anderswo in der Welt zusammendenken

Jedem an einer friedlichen Auseinandersetzung interessierten Menschen muss das brutale Vorgehen Erdogans und seiner Staatsgewalt gegen friedliche Demonstranten erschrecken und betroffen machen. Es macht auch keinen Sinn, Gewalt zu relativieren. Dient dies doch bewusst oder unbewusst nur dazu, Gewalt zu rechtfertigen. Und darin liegt vielleicht die Wurzel allen Übels: Die Anwendung von Gewalt wird nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Im Gegenteil, jeder Staatenlenker, sei es, dass er ein Land regiert oder auch nur eine Stadt, rechtfertigt den Einsatz von Gewalt, wenn er deren Anwendung auch zeitgleich mit erhobenem Zeigefinger in Richtung anderer staatlicher und nicht-staatlicher Gewalttäter verurteilt.