Tag Archiv für Berichterstattung

Trump, Brexit: Warum deutsche Medien regelmäßig daneben liegen

Die Berichterstattung deutscher Medien ist möglicherweise Opfer der Wunschvorstellungen ihrer Redaktionen. Eine Konsequenz: Die Menschen werden schlecht informiert.

Das jüngste Beispiel: Die Nachwahl in Georgia, USA. Was wurde nicht alles in diese Wahl hineininterpretiert. Wenn jetzt, nach dem Sieg des republikanischen Kandidaten, der Spiegel mit “Nur Anti-Trump – das reicht nicht“ aufmacht, dann sollten sich das Magazin wie die einschlägigen Medien in Deutschland insgesamt dies gleichsam als Spiegel vorhalten, um ihrer eigene Arbeit einmal selbstkritisch in Augenschein zu nehmen.

Alles Lüge oder was? Medienlandschaft und -kritik in Deutschland – Von Wolfgang Lieb*

“Lügenpresse”, so skandieren die “Spaziergänger” auf den Pegida-Demonstrationen. “Lügenpresse” wurde von einer “sprachkritischen Aktion” 2014 zum “Unwort des Jahres” benannt. Es gab Stimmen, die meinten, die Entscheidung, “Lügenpresse” zum Unwort des Jahres zu küren, sei Wasser auf die Mühlen der Gegner von kritischen Bürgerrinnen und Bürger, die ihr Vertrauen in die Mainstream-Medien verloren haben.

US-Wahlkampf: Hysterische Medien

Wie hysterisch die deutschen Medien mehrheitlich über den US-Wahlkampf berichten, zeigt gerade die Aufregung über einen vermeintlichen Aufruf des konservativen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, die Waffe gegen seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton zu richten. Ein Musterbeispiel dafür ist erneut Marc Pitzke in Spiegel online. “Da will einer den Schuss hören” unterstellt er Trump. Andere Medien agieren, wie schon eine kurze Recherche bei google news zeigt, ähnlich. Schon die Einhelligkeit mit der eine vermeintlich zweideutige Aussage Trumps gedeutet wird, sollte doch aber Misstrauen wecken.

Griechenland: “Die Welt” läuft Sturm gegen die Demokratie

Tschaepitz Welt - Griechenland - 27-06-2015

“Die Welt” lässt in ihren Beiträgen zu Griechenland die letzten Hüllen fallen und gebärdet sich ganz ungeniert als Sturmgeschütz gegen die Demokratie. Da ist Holger Tschäpitz, der auf twitter Demokratie mit Glücksspiel verwechselt – und zu einem entsprechenden Text von einem Hugo Dixon verlinkt. Da ist Olaf Gersemann, der Demokratie mit Feigheit verwechselt und es “unerhört” findet, dass Tsipras “sein Volk über das Sparprogramm der Troika abstimmen lassen (will)”. Gersemann fürchtet nicht die Tyrannei des “Sparprogramms”, sondern die “Tyrannei der Mehrheit”, hier der griechischen Bevölkerung.

Putins Rede an die Nation: Die deutschen Medien gehen ein weiteres Mal irrational mit den Aussagen Putins um – eine Analyse seiner Rede

“Die Welt” weiß: “Putins Rede lässt nur einen Schluss zu: Dieser Mann wird weiter gen Westen streben.” Die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” schreibt über die Rede, mit der sich der russische Präsident gestern an die Nation wandte: “Mit der Erklärung, die Krim sei den Russen so heilig wie der Tempelberg in Jerusalem Juden und Muslimen, erhebt Putin sich in den Rang eines national-religiösen Erlösers, der diese Halbinsel von ‘großer sakraler Bedeutung’ heim ins russische Reich holte” Eine offensichtliche Anspielung auf das Dritte Reich unter Adolf Hitler. Die “Osnabrücker Zeitung” unterstellt Putin “krude Verschwörungstheorien”. So geht es munter weiter, wie der Pressespiegel des Deutschlandfunks heute früh belegt. Der Deutschlandfunk selbst kommentiert entsprechend auch selbst. So meinte Rolf Clement gestern: “Selten hat sich ein Land derart isoliert wie Russland in diesen Monaten”. Clement wirft Putin eine “Verdrehung von Argumenten” vor. Und er meint, Putin setze auf den “Nationalstolz der Russen”. “Eine substantielle Dialogbereitschaft” sei in Moskau nicht vorhanden, meint Clement. Und: “Wer so in der Ecke steht, handelt nicht mehr nur rational.” Ist diese Wiedergabe und Interpretation der Rede des russischen Präsidenten an die Nation aber ihrerseits rational? Schon die oben aufgegriffenen Meldungen sprechen für sich genommen eine irrationale, ja, hysterische Sprache, allen voran “Die Welt”. Was aber verrät das Original der Rede? WuG hat sie sich angeschaut. Ein wesentlicher Gesichtspunkt der Rede knüpft an eine Strategie Putins an, die weit vor die Ukraine-Krise zurück reicht. Ihre Realisierung dürfte sich für die Entwicklung Russlands und auch für die Beziehungen Russlands zum “Westen” wie nach Asien als entscheidend erweisen. Dennoch spielt sie in der deutschen Berichterstattung keine Rolle…Putins Rede an die Nation: Die deutschen Medien gehen ein weiteres Mal irrational mit den Aussagen Putins um – eine Analyse seiner Rede (vollständiger Beitrag im Abonnement)

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GDL, Bahnstreik: Eindimensionale Sicht der Medien erschreckend und weit weg von der Wirklichkeit

Glaubt man der Presseschau des Deutschlandfunks von heute Vormittag, kann es nur einen Rückschluss geben: Der Streik der GDL stößt ausnahmslos auf Unverständnis, und das Unverständnis richtet sich ausschließlich gegen die GDL, nicht die Unternehmensführung der Bahn oder den Eigentümer Bund. Ein nahezu identisches Bild liefert der “Pressekompass” von Spiegel online. Das eindimensionale Bild der Presse ist das eine. Die Artikulierung desselben das andere:

GDL/Deutsche Bahn/Medien/Politik: Hat die Bahn die Öffentlichkeit belogen? Über Entwicklung und Tragweite des andauernden Tarifstreits

“Die GDL-Spitze hat kurz vor Unterzeichnung einer Lösung für den Tarifkonflikt Gespräche mit der DB entgegen jeder Verabredung völlig überraschend platzen lassen”, erklärte die Pressestelle der Bahn heute Vormittag. Private und öffentlich-rechtliche Medien verbreiteten in Windeseile die Meldung, ohne diese zu hinterfragen oder abzuwarten, was der Tarifpartner, die GDL, zu den gescheiterten Verhandlungen erklären würde. Gleichzeitig bauten dieselben Medien den durch das Grundgesetz legitimierten Streik als Bedrohung auf? Schon machen die ersten Drohungen und Gewaltaufrufe gegen den Vorsitzenden der GDL und Menschen “mit einer Streik-Weste” auf dem Kurznachrichtendienst twitter die Runde. Über die Entwicklung und Tragweite des andauernden Tarifstreits…GDL/Deutsche Bahn/Medien/Politik: Hat die Bahn die Öffentlichkeit belogen? Über Entwicklung und Tragweite des andauernden Tarifstreits (vollständiger Beitrag im Abonnement)

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Rezession und Restauration: Über den aktuellen Zustand deutscher Medien und eine notwendige Debatte

Die neueste Restauration begann mit den neuesten Konjunkturmeldungen. Die malen düster und schließen eine Rezession in Deutschland und Europa nicht aus. Die Wirtschaftsforscher der großen Institute nutzten ihre nach unten korrigierten Prognosen nicht zur Selbstkritik, sondern zur Kritik an der Renten- und Mindestlohnvereinbarung der Großen Koalition. Die einschlägigen Medien von der “Welt” bis zum “Deutschlandfunk” griffen diese Kritik eins zu eins auf und spitzten sie nicht selten zu. Das alles verrät mehr über den Zustand unserer Demokratie, als über die Konjunktur. Wirtschaftswissenschaft, Politik und Medien bilden eine unheilige Allianz, die längst unsere Demokratie zur Disposition stellt – auch ohne Wirtschaftskrise. Die “vierte Gewalt” ist in großen Teilen zum verlängerten Arm einer ebenso primitiv wie einseitig argumentierenden, aber schlagkräftigeren Arbeitgeberverbandslobby mutiert. Das zeigt auch die aktuelle Berichterstattung zum Streik der GdL.