Tag Archiv für Christoph Heinemann

“Fast Vollbeschäftigung”, “Produktionskapazitäten überausgelastet”, in Deutschland?

“In Deutschland herrscht fast Vollbeschäftigung”, meint Christoph Heinemann, Moderator des Deutschlandsfunks, an das SPD-Urgestein Rudolf Dreßler gerichtet. Der entgegnet etwas nebulös, dass diese “auf dem Papier de facto nicht besteht”. Das war am Freitag vergangener Woche. Heute meldet der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, das vornehmste Beratungsgremium der Bundesregierung, gar: “Die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten waren im Jahr 2016 mit 0,4 % leicht überausgelastet.” Demnach herrschte nicht nur Vollbeschäftigung, sondern es fehlten sogar Arbeitskräfte. Beides kann bei einer Arbeitslosenquote von rund sechs Prozent und einer Unterbeschäftigungsquote, die noch weit darüber liegt, nicht stimmen. Jene Falschmeldungen, neudeutsch fake news, können schwere Konsequenzen haben, vor allem für die Arbeitslosen, aber auch für das politische System.

SPD/SPD-Linke/Ralf Stegner: Der Unbelehrbare

Ralf Stegner ist mir – und ich höre und lese sehr viel – noch nie durch eine irgendwie geartete eigenständige, gar kluge Aussage aufgefallen. Heute früh hat ihm der Deutschlandfunk wieder eine Chance gegeben, seine schlechten Leistungen zu verbessern. Bei einem Moderator wie Christoph Heinemann, der mal wieder bewiesen hat, dass er zerebral irgendwo im kalten Krieg stehen geblieben ist – Heinemanns Frage zur politischen Öffnung der SPD gegenüber der Linken an Stegner: “Viele DDR-Bürgerrechtler sind nach der Wende in die SPD eingetreten. Wie sehr freuen die sich auf eine Zusammenarbeit mit ehemaligen Stasi-Leuten und SED-Mitgliedern?” -, noch dazu für einen SPD-Linken, wenn er denn einer wäre, eine komfortable Gelegenheit, sich richtig zu profilieren. Stattdessen hat es Stegner vorgezogen, erneut die Agenda 2010 für unbedingt notwendig zu erachten. Das könne man “überhaupt gar nicht bestreiten”. Es ist dieses unterirdische Niveau, das der SPD seit langem zu schaffen macht.

Koalitionsverhandlungen/Wansleben: DIHK-Chef gesteht, dass “Wettbewerbsfähigkeit” der deutschen Wirtschaft auf Lohndumping und miesen Arbeitsbedingungen basiert – und der Deutschlandfunk ist mit Verständnis und Sprachgebrauch ganz auf dessen Linie

Heute früh hat der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Industrie und Handelskammer (DIHK), Martin Wansleben, dem Deutschlandfunk ein Interview gegeben. Der Deutschlandfunk-Moderator, Christoph Heinemann, redete ihm im voraus eilenden Gehorsam gleich einleitend nach dem Mund, indem er meinte, ob man denn nicht statt von einer großen Koalition besser von einer teuren Koalition sprechen sollte. Mit seiner Einführung in das Interview brachte Heinemann sehr gut sein eigenes Verständnis von Wirtschaft und Gesellschaft zum Ausdruck wie das in seiner deutschen Zunft vorherrschende; schön auch, dass er sich für seine Aussage auf die Frankfurter Allgemeine Zeitung bezog, die “mal nachgerechnet” habe und “auf Begehrlichkeiten in Höhe von 50 Milliarden Euro” kommt.

Deutschlandfunk/Gregor Gysi/Drohnen/KalterKrieg: DLF-Moderator outet sich als krasser und geschichtsvergessener Ost-West-Ideologe

Hätte Christoph Heinemann, Moderator der Sendung Informationen am Morgen des Deutschlandfunks und Leiter der Abteilung Aktuelles, so auch die Bundeskanzlerin interviewt? Wohl kaum. Interviewt hat er jedenfalls Gregor Gysi, seines Zeichens Fraktionsvorsitzender der Linken im Deutschen Bundestag. An sich ging es um den Verteidigungsminister und das “Drohnen Debakel”. Während Gysi sich betont zurückhaltend und sachlich gab, ging Moderator Heinemann der Pazifismus Gysis ganz offensichtlich gewaltig gegen den Strich – so gewaltig, dass er, vielleicht ja nicht ganz unvorbereitet, Gysi mit dem “durchmilitarisierten DDR-Staat” (Heinemann) konfrontierte und sich so als krasser geschichtsvergessener Ost-West-Ideologe outete. Während Heinemann über diesen irrwitzigen historischen Schlenker explizit, wenn auch vergeblich, darauf abzielte, die Glaubwürdigkeit von Gysis Rüstungskritik in Frage zu stellen, ist es wohl nicht zu weit hergeholt, den journalistischen Verstand des Moderators in Frage zu stellen. Vielleicht nicht überflüssig anzumerken, dass ich, hätte Heinemann statt Gysi die Bundeskanzlerin interviewt, dies genauso aufgegriffen hätte.