Tag Archiv für DIW

Marcel Fratzscher ad absurdum geführt: Isch over! – Von Christian Christen*

Da fahre ich gestern auf der Autobahn und höre durch Zufall beim Deutschlandfunk rein. Ich traue meinen Ohren nicht. Im Interview geben der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratscher, und, als sein Stichwortgeber, Jasper Barenberg eine der vielen seichten Wortmeldungen zu Trump und dessen Handelspolitik zum Besten.

Relative Armut: “Top-Ökonom” Clemens Fuest hantiert mit falscher Zahl

Zunächst einmal gilt es – wozu wahrlich selten Anlass besteht – die Tageszeitung Die Welt zu loben. Sie hat ein Streitgespräch mit zwei der bekanntesten deutschen Ökonomen geführt, die eine sehr unterschiedliche, wenn nicht entgegengesetzte Meinung zur Ungleichheit in Deutschland vertreten. Ein viel zu selten genutztes Mittel der Meinungsbildung. Das Interview ist auch gut geführt. Wir empfehlen es hiermit unseren Lesern. Vielleicht werden auch Sie sich bei der Lektüre fragen, wie das denn sein kann: “Von relativer Armut spricht man in Deutschland, wenn ein Paar mit zwei Kindern 4000 Euro im Monat verdient.” So der neue Chef des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, im Streitgespräch mit Marcel Fratzscher, Chef des DIW und Autor des jüngst erschienenen Buches: “Verteilungskampf – Warum Deutschland immer ungleicher wird”.

Energiewende aber richtig, Elektro-Mobilität: Kaufprämie ja – aber nur mit industriepolitischer Vorgabe

Energiewende - aber richtig

Die Kaufprämie zur Förderung von Elektro-Autos konkretisiert sich und scheint immer näher zu rücken. Käufer von Elektro-Autos sollen mit einer Prämie dafür belohnt werden, dass sie von den herkömmlichen Antriebstechnologien Abstand nehmen. SPD und Grüne fordern eine Kaufprämie von 5.000 Euro, geht aus einem Bericht in Spiegel online vom 2. Februar hervor. Während die Bundesregierung – allen voran der Bundesfinanzminister – die Auswirkungen einer Kaufprämie auf den Bundeshaushalt ängstigt, das Umweltministerium dagegen schon über Produktions-Quoten nachdenkt, mit denen sie die Automobilindustrie zur verstärkten Produktion von Elektro-Autos antreiben will, warnen Verbraucherverbände und die noch jedes Mal inflationär zu Energie-Themen interviewte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung lapidar vor einer Kaufprämie bei Fehlen einer gesamten Ausrichtung der Mobilität auf Nachhaltigkeit. Wer hätte das gedacht! Ein gewichtigeres Argument gegen eine Förderung hat demgegenüber jüngst der Handelsblatt-Journalist Norbert Häring ausführlich diskutiert: “Bei der Produktion des nötigen Stroms entstehen je nach Energiequelle zum Teil beträchtliche Emissionen.” Härings Sorge: “Nur die Autoindustrie wird auf jeden Fall profitieren.” Eine nahe liegende Option wird bisher dagegen gar nicht diskutiert. Sie hätte aber bereits bei der berühmten Abwrackprämie greifen sollen, kann die vorgetragenen Sorgen meines Erachtens entkräften und eine nachholende Entwicklung der Elektro-Mobilität in Deutschland gegenüber anderen Ländern, in denen die Elektro-Mobilität bereits wesentlich weiter vorangeschritten ist, beschleunigen.

Frühjahrsgutachten: Deutschland – Allein zu Haus

“Der Überschuss der deutschen Leistungsbilanz wird weiter steigen auf einen neuen Rekordwert von 256,0 Milliarden Euro; das sind 8,5 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung. 2014 waren es knapp 220 Milliarden Euro oder 7,6 Prozent. Für 2016 werden sogar 266 Milliarden erwartet oder ebenfalls 8,5 Prozent.” So ist es in der Pressemitteilung des heute veröffentlichten Frühjahrsgutachtens der “führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute” zu lesen. Zur Begründung heißt es ebenda:

Herbstgutachten, Wirtschaftsforschung, Journalismus, Wirtschaftspolitik: Längst sind tonangebende deutsche Wirtschaftsforscher selbst Konjunkturrisiko

Gestern kamen wieder die großen Konjunkturauguren zu Wort. Sie mussten allesamt zurückrudern. Das Institut für Makroökonomie und Konjunktur (IMK) senkte seine Prognose aus dem Frühjahr von 1,6 auf jetzt 1,5 Prozent für das laufende Jahr. Im Dezember war es von 1,2 Prozent für 2014 ausgegangen. Natürlich schreckt auch das IMK nicht davor zurück, eine Prognose für 2015 abzugeben, obwohl die Zahlengießerei doch schon für das laufende Jahr nicht hinhaut. Für 2015 hat das IMK seine Prognose aus dem Frühjahr von 2,5 Prozent auf jetzt 1,9 Prozent gesenkt. Damit ist das Institut immer noch optimistischer als es die anderen großen Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem ebenfalls gestern veröffentlichten Herbstgutachten sind. Sie gehen jetzt für das laufende Jahr von 1,3 Prozent und für das kommende Jahr von 1,2 Prozent aus. Vor einem halben Jahr waren die Institute noch von respektive 1,9 und 2,0 Prozent ausgegangen. Viel fataler als die missglückte Zahlengießerei ist jedoch, dass die Wirtschaftsforscher im Herbstgutachten zwar ganz explizit das Scheitern ihrer einseitig angebotsorientierten Politik eingestehen, ihnen aber nichts weiter einfällt, als der Bundesregierung gleich neue, nicht minder einseitig angebotsorientierte Empfehlungen mit auf den Weg zu geben.

Marcel Fratzscher/DIW/Wirtschaftswoche: Gibt es in dieser Generation tatsächlich keine guten Theoretiker und verantwortungsvollen Ökonomen in Deutschland?

Marcel Fratzscher gilt als einer der angesehensten Ökonomen in Deutschland. Er ist Chef des DIW, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, das seinerseits als eines der angesehensten Wirtschaftsforschungsinstitute gilt. Fratzscher ist auch sicherlich einer der am häufigsten in den Massenmedien zu Wort kommenden Volkswirte, wenn es um gesamtwirtschaftliche Fragestellungen geht (wir haben Fratzschers Aussagen zu anderen Fragestellungen bereits häufiger kritisch aufgegriffen, siehe zum Beispiel hier, vollständiger Beitrag nur im Abonnement). Jetzt hat er der Wirtschaftswoche ein sehr langes Interview über Deutschland und die Europäische Währungsunion (EWU) gegeben. Seine Ausführungen verdeutlichen, dass er das zentrale Problem der EWU und dessen Ursachen nicht erkannt hat. Das und die Zusammenhanglosigkeit seiner Argumentation verweisen auf gravierende theoretische Defizite dieses Ökonomen. Er steht damit stellvertretend für die als führend angesehenen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute und ihr Personal. Die theoretischen Defizite sind aber kaum allein mit einer schlechten Ausbildung zu erklären. So konsequent das Thema zu verfehlen, ist auch Ausdruck politischer Verantwortungslosigkeit. Dass der Journalist, der Fratzscher interviewt, Tim Rahmann, das Gespräch nicht von sich aus auf das zentrale Problem der EWU lenkt, zeigt wiederum ein weiteres Mal, dass auch der deutsche Journalismus, der Wirtschaftsjournalismus zumal, dieselben Defizite aufweist, die auch für die deutsche Wirtschaftswissenschaft seit langem prägend geworden sind…Marcel Fratzscher/DIW/Wirtschaftswoche: Gibt es in dieser Generation tatsächlich keine guten Theoretiker und verantwortungsvollen Ökonomen in Deutschland? (vollständiger Beitrag nur im Abonnement)

Geschützt: Marcel Fratzscher/DIW/Wirtschaftswoche: Gibt es in dieser Generation tatsächlich keine guten Theoretiker und verantwortungsvollen Ökonomen in Deutschland? (vollständiger Beitrag nur im Abonnement)

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Diskussion: Joachim Ragnitz (ifo Institut) antwortet auf meine Kritik an “Kosten” der deutschen Einheit

Prof. Dr. Joachim Ragnitz ist Volkswirt und stellvertretender Leiter der Dresdner Niederlassung des ifo Instituts. Am 4. Mai erschien in der “Welt am Sonntag” ein Artikel zu den “Kosten” der deutschen Einheit. In der Online Ausgabe der “Welt” war dies noch am selben Tag unter der Überschrift “Ost-Förderung – Deutsche Einheit kostet 2.000.000.000.000 Euro” nachzulesen. Der Deutschlandfunk und andere Medien griffen diese Botschaft auf (siehe dazu in der Einleitung hier). Ich habe den Ansatz der Beteiligten, auf die sich die “Welt” bezieht (das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung [DIW], das Dresdner ifo Institut und der Forschungsverbund SED-Staat), wiederum noch am selben Tag kritisch aufgegriffen (siehe ebenda, vollständiger Beitrag nur im Abonnement). Als schließlich noch ein Streit zwischen Joachim Ragnitz und Klaus Schroeder vom Forschungsverbund SED-Staat über die Höhe der “Kosten” der Einheit ausbrach, habe ich dies zum Anlass genommen, noch einmal in einem für alle Leserinnen und Leser kostenfrei verfügbaren Artikel meine grundsätzliche Kritik an dem Ansatz der beteiligten Forscher zu formulieren (siehe hier). Gestern nun hat Joachim Ragnitz auf meine Kritik reagiert und der Redaktion seinerseits Erläuterungen zum Thema gesendet, die wir mit seinem Einverständnis unten wiedergeben. Sie sind auch mit Ergebnis eines längeren E-Mail-Dialogs, der sich gestern zwischen uns über das Thema entwickelte. Ich bedanke mich auch an dieser Stelle für diesen Gedankenaustausch. Denn es ist genau diese Diskussionskultur, die Wirtschaft und Gesellschaft – Analyse & Meinung sich wünscht und befördern möchte – gerade, wenn die Auffassungen so grundsätzlich auseinandergehen. Sie soll zum Nachdenken anregen und zur Prüfung der eigenen Positionen. Die Überlegungen von Joachim Ragnitz haben mich in diesem Fall zwar in meiner zuvor formulierten Kritik eher bestätigt. Aber zu einer guten Diskussionskultur gehört in meinen Augen immer auch, unterschiedliche Auffassungen, sind sie einmal ausgetragen, stehen lassen zu können. Wichtig ist nur, dass die Auseinandersetzung die Überlegungen den Leserinnen und Lesern wie den Diskussionsteilnehmern selbst besser verständlich macht, damit sie sich ein vollständigeres Bild vom diskutierten Gegenstand machen können.

“Kosten” der deutschen Einheit: Haben DIW, ifo und Forschungsverbund SED-Staat da nicht etwas Entscheidendes vergessen?

Der Deutschlandfunk meldet heute mit Bezug auf von der “Welt” in Auftrag gegebene Berechnungen, dass die deutsche Einheit zwei Billionen Euro gekostet habe. Sowohl die Meldung, als auch der Bericht auf “Welt online” legen nahe, dass die “Forscher” etwas Entscheidendes bei ihren Berechnungen vergessen haben.

Der Deutschlandfunk fasst die Berechnungen wie folgt zusammen:

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