Tag Archiv für Medien

Trump, Brexit: Warum deutsche Medien regelmäßig daneben liegen

Die Berichterstattung deutscher Medien ist möglicherweise Opfer der Wunschvorstellungen ihrer Redaktionen. Eine Konsequenz: Die Menschen werden schlecht informiert.

Das jüngste Beispiel: Die Nachwahl in Georgia, USA. Was wurde nicht alles in diese Wahl hineininterpretiert. Wenn jetzt, nach dem Sieg des republikanischen Kandidaten, der Spiegel mit “Nur Anti-Trump – das reicht nicht“ aufmacht, dann sollten sich das Magazin wie die einschlägigen Medien in Deutschland insgesamt dies gleichsam als Spiegel vorhalten, um ihrer eigene Arbeit einmal selbstkritisch in Augenschein zu nehmen.

Bundestagswahl: 12 Jahre Merkel – 19 Jahre ohne Alternative

Seit zwölf Jahren ist Angela Merkel an der Macht. Davor herrschte Gerhard Schröder. Insgesamt neunzehn Jahre Alternativlosigkeit. Ganze Generationen sind unter ihnen herangewachsen, haben nie etwas anderes kennengelernt, hatten nie eine wirkliche Wahl. Die große Leerstelle von Anfang an: die SPD. Vor 19 Jahren zumindest noch in Teilen mit einem Gestaltungsanspruch angetreten, hat sie sich selbst zum verlängerten Arm vermeintlicher Wirtschaftsinteressen gemacht. Vermeintlich deswegen, weil sie mit der Agenda 2010 tatsächlich ja gar nicht der Wirtschaft einen Gefallen getan hat.

Alles wie gewohnt?

Gewöhnen sich die Menschen an den Ist-Zustand in Deutschland und der Welt: Terror, Krieg, soziale Not, überbordender Reichtum, nationale Bestrebungen und den Umgang der Politik damit? Wie sonst lässt sich erklären, dass sich die große Mehrheit der Menschen vermutlich gar nicht für Politik interessiert? Wann haben Sie zuletzt eine Zeitung in die Hand genommen oder sich im Internet tiefergehend mit Informationen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auseinandergesetzt? Kannten Sie Martin Schulz, bevor er von der SPD zum Kanzlerkandidaten ausgerufen wurde? Er war vorher immerhin Präsident des Europäischen Parlaments. Ich kenne gleich einige, die mit seinem Namen nichts anfangen konnten.

Die Welt verstehen lernen: Warum immer Konjunktur?

Schnelllebig sind die Nachrichten. Wenig fundiert die meisten Kommentare zum Zeitgeschehen. Immer schriller versuchen sich gleichzeitig die so genannten alternativen Medien Gehör zu verschaffen, sind dabei aber wenig überzeugend und bestechen nicht selten durch eben jene Einseitigkeit, die sie den etablierten Medien vorhalten. Und WuG? Wir legen den Finger immer wieder in dieselbe Wunde. Und die heißt Konjunktur.

“Soziale Medien” oder asoziale Medien: Demokratisierung oder Fragmentierung der öffentlichen Meinung (Teil 5)? – Von Wolfgang Lieb

Wolfgang Lieb, ehemaliger Mitherausgeber und Autor der NachDenkSeiten, davor Regierungssprecher und Staatssekretär in Nordrhein-Westfalen, sorgt sich um die Kommunikation im Internet. In diesem Mehrteiler stellt er die dies betreffenden Grundlagen und Zusammenhänge umfassend dar. Dies ist Teil 5. Teil 1 ist hier, Teil 2 ist hier, Teil 3 ist hier erschienen, Teil 4 ist hier erschienen.

“Soziale Medien” oder asoziale Medien: Demokratisierung oder Fragmentierung der öffentlichen Meinung (Teil 4)? – Von Wolfgang Lieb

Wolfgang Lieb, ehemaliger Mitherausgeber und Autor der NachDenkSeiten, davor Regierungssprecher und Staatssekretär in Nordrhein-Westfalen, sorgt sich um die Kommunikation im Internet. In diesem Mehrteiler stellt er die dies betreffenden Grundlagen und Zusammenhänge umfassend dar. Dies ist Teil 3. Teil 1 ist hier, Teil 2 ist hier, Teil 3 ist hier erschienen.

“Soziale Medien” oder asoziale Medien: Demokratisierung oder Fragmentierung der öffentlichen Meinung (Teil 3)? – Von Wolfgang Lieb

Wolfgang Lieb, ehemaliger Mitherausgeber und Autor der NachDenkSeiten, davor Regierungssprecher und Staatssekretär in Nordrhein-Westfalen, sorgt sich um die Kommunikation im Internet. In diesem Mehrteiler stellt er die dies betreffenden Grundlagen und Zusammenhänge umfassend dar. Dies ist Teil 3. Teil 1 ist hier, Teil 2 ist hier erschienen.

Die “Filterblase”

Bundestagswahl: Einmischung Russlands? Wer desinformiert?

Das ist bemerkenswert. Der Bundesnachrichtendienst hat ein Jahr lang “intensiv nach Beweisen dafür gesucht, dass Moskau eine gezielte Desinformationskampagne vorbereitet, um den Wahlkampf in Deutschland zu beeinflussen“. Und er hätte nur zu gern etwas gefunden. Darauf lässt zumindest eine Aussage eines zitierten “Sicherheitsexperten” schließen: “Wir hätten gern die Gelbe Karte gezogen.” Liegt es vielleicht daran, dass die Untersuchung nun doch nicht veröffentlicht werden soll? Oder ist es wirklich so, dass man “das ohnehin angespannte Verhältnis zu Russland” nicht noch weiter belasten möchte? Wir wollen hier in keinster Weise in das Horn der vermeintlich alternativen Medien stoßen, die die Politik in Russland so konsequent verharmlosen wie die etablierten Medien diese anfeinden. Doch gerade in Anbetracht dieser für die Meinungsbildung in der Bevölkerung äußerst unvorteilhaften, bedenklichen Berichterstattung, wirft die folgende Aussage eine zentrale Frage auf.

Nachrichtenflut und Nachrichtenarmut

Fühlen Sie sich auch zugeschüttet mit Nachrichten, sobald Sie spiegel.de, sueddeutsche.de, welt.de, faz.net aufrufen, um nur einige der größten Online-Ausgaben führender Tageszeitungen zu nennen? Macht sich in Ihnen auch eine gewisse Leere breit, wird Ihnen gar schwindelig? Bei einigen – besonders bei sueddeutsche.de – wird die Flut allein darin deutlich, dass, kaum ist die Internetseite aufgerufen, bereits wieder ein neuer Artikel oder irgendeine Aktualisierung angezeigt wird. Wer produziert das alles, und wer liest das alles? Wie soll den Beteiligten auf der Angebotsseite da noch Zeit bleiben, die Fakten zu prüfen und die Inhalte zu ordnen? Und wie soll den Beteiligten auf der Nachfrageseite da noch Zeit bleiben, Luft zu holen, zu verweilen, nachzudenken?

Arbeitslosigkeit – strukturell oder konjunkturell bedingt? Zur Aussagekraft der Beveridge-Kurve

Die Arbeitslosigkeit in der Europäischen Währungsunion (EWU) ist immer noch sehr hoch. Die Diskussion in Politik, Wissenschaft und Medien über die Ursachen der Arbeitslosigkeit hält an. Das hat unmittelbaren und mittelbaren Einfluss auf die politischen Versuche, die Arbeitslosigkeit zu überwinden. Die Situation am Arbeitsmarkt bestimmt schließlich auch über den sozialen Frieden. Ist die Arbeitslosigkeit hoch und verhindert die Politik, dass diejenigen, die Arbeit haben, davon auch existieren und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, gefährdet dies ab einem gewissen Grad den sozialen Frieden und die parlamentarische Demokratie. Dieser Grad scheint in vielen Ländern längst erreicht. Das zeigen nicht zuletzt die Erfolge radikaler Parteien und das in repräsentativen Umfragen immer wieder bestätigte Gefühl eines erheblichen Teils der Bevölkerung, abgehängt zu sein. In diesem Zusammenhang sind auch Veröffentlichungen des europäischen Amts für Statistik, Eurostat, interessant, die beispielsweise erst jüngst darüber informierten, dass rund jeder sechste Arbeitnehmer in der EU und in der EWU im Niedriglohnsektor beschäftigt ist. Deutschland schneidet mit einem Anteil von 22,5 Prozent besonders schlecht ab. In Schweden sind es nur 2,6 Prozent. Eine andere Meldung von Eurostat informierte ebenfalls erst diesen Monat darüber, dass es sich mehr als jeder zehnte in der EU nicht leisten kann, mit Freunden oder der Familie etwas trinken zu gehen, jeder sechste kann nicht an Freizeitaktivitäten teilnehmen. Auch hier schneidet Deutschland mit 14,3 Prozent schlechter ab, als der EU-Durchschnitt (13%). In Schweden sind es 0,8 Prozent.