Tag Archiv für Medienkritik

Aufregung über Trump und Hammond: Deutsche Meinungsführer betriebsblind

Die Aufregung in Deutschland ist groß: Der neu gewählte US-Präsident Trump nimmt, noch nicht einmal im Amt, schon die deutschen Exportüberschüsse ins Visier. So auch der britische Finanzminister Hammond. Kann es aber wirklich überraschen, dass gerade die Regierungen der beiden Länder, mit denen Deutschland seine höchsten Handelsüberschüsse erzielt, gegen Deutschland aufbegehren?

Der Deutschlandfunk und die SPD: Wie Journalismus und Politik versagen

Ansich hatten wir gehofft, an dieser Stelle das Interview der Woche besprechen zu können, das der Deutschlandfunk mit Sigmar Gabriel geführt und gestern augestrahlt hat. Sigmar Gabriel ist in Personalunion Partei-Vorsitzender der SPD, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland und möglicher Kanzlerkandidat der SPD für die in diesem Jahr anstehende Bundestagswahl. Allein, das Interview ist von Frank Capellan von Beginn so anbiedernd und nichtssagend geführt worden, es verbleibt bis zum bitteren Ende so sehr an der Oberfläche, dass es inhaltlich kaum etwas zu besprechen gibt. Ein besonders trauriges Stück Journalismus. Vielleicht ein weiteres Beispiel dafür, dass nicht nur so genannte fake news – falsche Nachrichten -, die keineswegs ein alleiniges Phänomen der sozialen Netzwerke sind, sondern leider auch etablierter Medien, ein Problem sind, sondern auch no news – keine Nachrichten. Vielleicht macht das Interview darüber hinaus einmal mehr deutlich, dass eine zu große Nähe von Journalisten zu Politikern der kritischen Interview-Führung mehr schadet als nützt. Frank Capellan bringt diese Nähe fast kindlich naiv zum Ausdruck, wenn er sich mit den Worten an Gabriel und die Zuhörer des Deutschlandfunks wendet: “Ich möchte gerne erzählen, dass ich mit Ihnen im vergangenen Jahr in Marokko war.” Das größte journalistische Versagen liegt darin begründet, dass versäumt wird, kritische Fragen zu stellen, die sowohl auf den Nägeln brennende, weil die Lebenswirklichkeit vieler Menschen betreffende Themen und Zusammenhänge ansprechen, als auch nach der damit verbundenen politischen Verantwortung der Interviewten fragen. Im Interview mit Gabriel wird dieses Versagen besonders deutlich, wenn es um die AfD geht. In einem Interview, das Doris Simon nur wenige Tage zuvor mit dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD und Haushaltspolitiker, Carsten Schneider, für den Deutschlandfunk geführt hat, versäumt es die Moderatorin wiederum eine wesentliche Aussage Schneiders zu hinterfragen. Auch das lenkt von zentralen politischen Entwicklungen und deren Ursachen ab, indem no news produziert werden, und verhindert damit nicht zuletzt zu erklären, warum die AfD von Erfolg zu Erfolg eilt, was uns wieder zum Gabriel-Interview zurückführt. Wir können vergleichbares bei der Berichterstattung über Trump oder über Putin beobachten, wollen die unten stehende Analyse aber nicht überfrachten…Der Deutschlandfunk und die SPD: Wie Journalismus und Politik versagen (vollständiger Beitrag im Abonnement)

Geschützt: Der Deutschlandfunk und die SPD: Wie Journalismus und Politik versagen (vollständiger Beitrag im Abonnement)

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Alles Lüge oder was? Medienlandschaft und -kritik in Deutschland – Von Wolfgang Lieb*

“Lügenpresse”, so skandieren die “Spaziergänger” auf den Pegida-Demonstrationen. “Lügenpresse” wurde von einer “sprachkritischen Aktion” 2014 zum “Unwort des Jahres” benannt. Es gab Stimmen, die meinten, die Entscheidung, “Lügenpresse” zum Unwort des Jahres zu küren, sei Wasser auf die Mühlen der Gegner von kritischen Bürgerrinnen und Bürger, die ihr Vertrauen in die Mainstream-Medien verloren haben.

NachDenkSeiten, Makroskop: Keine Alternative

Sie beklagen, dass die etablierten Medien ihrer Aufgabe, den demokratischen Willensbildungsprozess zu befördern, nicht gerecht werden (1). Und sie klagen an. Die NachDenkSeiten: Die Medien würden manipulieren, indem sie zum Beispiel wichtige Informationen verschweigen (2). Makroskop: Statistische Ämter würden ihre Berechnungen nach den Erwartungen von Politikern ausrichten (3). Sie “wollen die Qualität der öffentlichen Meinungsbildung und damit auch die Qualität der politischen Entscheidungen fördern” und “ein Angebot sein für jene, die in den meinungsprägenden Medien kein ausreichend kritisches Meinungspotential mehr erkennen.” (4) Wie ist es aber um die Qualität der öffentlichen Meinungsbildung und das kritische Meinungspotenzial dieser beiden Medien selbst bestellt?

Medienanalyse/-kritik, Deutschlandfunk: Hörfunkrat befasst sich heute mit unserer Analyse

Laut Auskunft des Vorsitzenden, Frank Schildt (SPD), wird es in der heutigen Sitzung des Hörfunkrats eine formelle Beratung zu unserer Medienanalyse und dem darauf basierenden öffentlichen Brief geben. Entgegen anderslautenden Informationen des Stellvertretenden Vorsitzenden, Robert Clemen (CDU), wurde der von uns vorgetragene Sachverhalt zuvor lediglich “angesprochen” (siehe dazu zuletzt hier). Es steht zu befürchten, dass wir den Ergebnissen der Beratung erneut werden hinterherlaufen müssen (zum Demokratiedefizit und zur mangelnden Transparenz des Hörfunkrats und Programmausschusses und den Originalquellen des Schriftverkehrs, siehe ebenda). Ich werde mich jedoch ein weiteres Mal darum bemühen, zeitnah das Protokoll des Hörfunkrats im Wortlaut zu erhalten.

Die Welt, Martin Greive, Eurokrise, Konjunkturlokomotive: Dummheit oder gezielte Irreführung?

Martin Greive, der für die Welt über Wirtschaft fantasiert, ist, ähnlich wie seine Kollegin Dorothea Siems, Dauergast bei WuG. Nicht etwa, weil dessen Texte irgendeinen Bezug zur Realität hätten, sondern, gerade umgekehrt, weil sie beispielhaft aufzeigen, wie Journalisten in etablierten, schwerreichen Medien, ohne Hemmungen an der Wirklichkeit vorbei schreiben, um nicht zu sagen: sie manipulieren.

Medienanalyse und -kritik: Hörfunkrat spielt Ungleichbehandlung von im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien im Deutschlandfunk herunter – Transparenz lässt zu wünschen übrig

WuG hat am 4. März 2015 einen offenen Brief an den Hörfunkrat des Deutschlandfunks gerichtet. Hintergrund ist die im Rahmen unserer Medienanalyse regelmäßig zum Vorschein getretene Ungleichbehandlung von im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien. Erfreulicherweise haben Programmausschuss und Hörfunkrat dieses Thema bereits in ihrer Sitzung am 12. März aufgegriffen. Darüber unterrichtete mich der stellvertretende Vorsitzende des Hörfunkrats, Robert Clemen (CDU), vorab. Er wies mich auch darauf hin, dass ich die Protokolle der Sitzung erhalten würde. Die aber habe ich trotz mehrfacher Anfrage bis heute nicht erhalten. Während mich Robert Clemen darüber unterrichtete, dass er “sehr viel um die Ohren” hätte und “leider erst Ende der Woche dazu kommen” würde, sich darum zu kümmern, weswegen ich mich an Frank Schildt (SPD, Vorsitzenden des Hörfunkrates) oder an die Intendanz des Deutschlandradios wenden solle, erhielt ich, als ich dieser Empfehlung folgte, von diesen Ansprechpartnern gleich gar keine Antwort. Als ich daraufhin noch einmal Herrn Clemen anschrieb, mit der Bitte, dies nun doch in die Hand zu nehmen, und mir die Protokolle auf dem E-Mail-Weg zuzusenden, erhielt ich auch von ihm keine Antwort mehr. Bis heute weiß ich also nicht, wie das Thema auf den Sitzungen des Programmausschusses und des Hörfunkrates aufgegriffen und diskutiert wurde. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass – wenn ich richtig recherchiert habe – der Hörfunkrat keine eigene Internet-Präsenz hat oder auf den Seiten des Deutschlandradios die Protokolle und andere ihn betreffenden Entwicklungen an einer für ihn reservierten Stelle bzw. überhaupt veröffentlicht. Auch gibt es keine direkten E-Mail-Adressen, über die die Hörfunkrat-Mitglieder zu erreichen wären. Ich musste vielmehr erst recherchieren, wie der Vorsitzende und stellvertretende Vorsitzende des Hörfunkrates zu erreichen sind – nur über ihre eigenen E-Mail-Adressen. Der Deutschlandfunk informiert lediglich allgemein über die Institutionen Hörfunkrat und Programmausschuss (siehe zum Beispiel hier) oder zu ausgewählten Themen (siehe zum Beispiel hier). Die Suche nach “Hörfunkrat” wirft wiederum bis heute kein Ergebnis aus, das einen Hinweis auf die Protokolle gibt. Damit lässt die Transparenz dieser wichtigen Institutionen sicherlich zu wünschen übrig. Das Ergebnis aber teilte mir Herr Clemen in einer E-Mail mit. Und das überrascht – genauso wie die zuvor erhaltene Antwort von Willi Steul, Intendant des Deutschlandfunks, auf meinen offenen Brief. Beides dokumentieren und kommentieren wir im folgenden kurz, um Sie auf dem Laufenden zu halten.

Medienkritik: Die Ukraine und Griechenland zeigen einen intellektuell und moralisch bankrotten deutschen Journalismus

Nimmt man die deutschen Leitmedien als Maßstab, ist die Situation in der Ukraine keinen Schritt vorangekommen. Sie konzentrieren sich fast ausschließlich auf die Frage, ob Putin das Abkommen von Minsk einhalten wird. Immer wieder wird die ukrainische Regierung parallel dazu quasi als Zeuge, als neutrale Quelle zitiert. Dabei ist sie nicht weniger Kriegspartei als Russland – und Europa und die USA. Was aber ist mit der Glaubwürdigkeit, den Motiven und den Mitteln der ukrainischen Regierung, was mit der Glaubwürdigkeit und der Rolle der USA und Europas?

“Fachkräftemangel”: Das Bundeswirtschaftsministerium finanziert Arbeitgeberpropaganda – und die “vierte Gewalt” propagiert einfach mit

Gestern war es mal wieder soweit: Die arbeitsmarktpolitische Sau namens Fachkräftemangel wurde ein weiteres Mal durchs mediale Dorf getrieben. Grundlage dafür ist eine “Studie” des von Arbeitgeberverbänden finanzierten Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Auftraggeber war das Ministerium des Bundesministers für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel (nachzulesen hier). Mir ist kein privates oder öffentlich-rechtliches Medium bekannt, das darauf aufmerksam gemacht hätte. Sicher, die Quelle, das IW, wurde genannt. Hätte ein seriöser, funktionstüchtiger, seiner Rolle als “vierte Gewalt” gerecht werdender Journalismus die geradewegs übernommene Botschaft des IW aber nicht allein aufgrund der Quelle hinterfragen müssen? Natürlich hätte er das müssen. Hat er aber nicht getan. Und wäre es nicht für sich genommen hinterfragenswert gewesen, dass ein Ministerium einem Arbeitgeberinstitut den Auftrag gibt, dieser Frage nachzugehen? Diese Frage würde sich natürlich genauso stellen, wenn das Ministerium dies bei den von Gewerkschaften finanzierten Instituten in Auftrag gegeben hätte. Wie kann das Ministerium vom IW in dieser Frage objektive Ergebnisse erwarten? Und das – ebenfalls kein Theme in den privaten und öffentlich-rechtlichen Medien -, obwohl die Bundesagentur für Arbeit regelmäßig selbst eine ausführliche Analyse und monatliche Statistiken zum Thema vorlegt. WuG hat diese zuletzt im März des vergangenen Jahres ausgewertet. Damals wie heute diente den einschlägigen privaten und öffentlich-rechtlichen Medien wiederum die offensichtlich regelmäßig vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beim IW in Auftrag gegebene Arbeit als Grundlage für ein großes mediales Trommelfeuer über einen vermeintlichen Fachkräftemangel. Wo bleibt da die in denselben Medien regelmäßig vorgetragene Empörung über die Verschwendung von Steuergeldern? Und wo wird der Fachkräfteüberschuss thematisiert, der Millionen ArbeitnehmerInnen jetzt und in absehbarer Zukukunft betrifft? WuG hat all das schon damals kritisch benannt und die Studie sowie die detaillierte monatliche Statistik der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet (siehe hier). Damals lag die aktuellste Studie der Bundesagentur für Arbeit aus dem Dezember 2013 vor. Heute liegt die Ausgabe aus dem Juni 2014 vor. In der Gesamtschau heißt es darin unter anderem (fett gedruckt im Original):…“Fachkräftemangel”: Das Bundeswirtschaftsministerium finanziert Arbeitgeberpropaganda – und die “vierte Gewalt” propagiert einfach mit (vollständiger Beitrag im Abonnement)