Tag Archiv für Nachdenkseiten

“Soziale Medien” oder asoziale Medien: Demokratisierung oder Fragmentierung der öffentlichen Meinung (Teil 3)? – Von Wolfgang Lieb

Wolfgang Lieb, ehemaliger Mitherausgeber und Autor der NachDenkSeiten, davor Regierungssprecher und Staatssekretär in Nordrhein-Westfalen, sorgt sich um die Kommunikation im Internet. In diesem Mehrteiler stellt er die dies betreffenden Grundlagen und Zusammenhänge umfassend dar. Dies ist Teil 3. Teil 1 ist hier, Teil 2 ist hier erschienen.

Die “Filterblase”

“Soziale Medien” oder asoziale Medien: Demokratisierung oder Fragmentierung der öffentlichen Meinung (Teil 1)? – Von Wolfgang Lieb

Wolfgang Lieb, ehemaliger Mitherausgeber und Autor der NachDenkSeiten, davor Regierungssprecher und Staatssekretär in Nordrhein-Westfalen, sorgt sich um die Kommunikation im Internet. In diesem Mehrteiler stellt er die dies betreffenden Grundlagen und Zusammenhänge umfassend dar.

Vertrauensverlust der etablierten Medien

Wahlbeobachtung: Zwischen Verfolgungswahn und Euphorie

Die Wahlbeobachtung zur Wahl im Saarland ist interessanter, als das Wahlergebnis. Das Wahlergebnis ist nicht wirklich überraschend, wenn man nur die Umfragen verfolgt hat, der Schulz-Euphorie nicht auf den Leim gegangen ist, sondern die Entwicklung seit seiner Kandidatur nüchtern analysiert (siehe hierzu unsere letzte Analyse hier) und vor allem nicht eigene Wunschvorstellungen auf die Wähler projiziert. Einen der größten Ausfälle bietet sicherlich Albrecht Müller, Herausgeber der NachDenkSeiten, der das für ihn unbefriedigende Wahlergebnis weniger erklärt, als dazu nutzt, Verschwörung allerorten auszumachen.

Medienanalyse, Hartz IV: NachDenkSeiten liegen erneut daneben

Wir sind im Rahmen unserer Analysen immer wieder zu dem Ergebnis gelangt, dass ein Kernstück der Agenda 2010, Hartz IV, weder die hauptsächliche Ursache für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit berücksichtigt (siehe dazu weiter unten), noch zur Lösung der Arbeitsmarktprobleme beiträgt, sondern diese sogar verschärft. Die negativen Auswirkungen von Hartz IV auf die psychische und materielle Lebenssituation der Betroffenen und auf die allgemeine Lohnentwicklung haben wir ebenfalls immer wieder hervorgehoben. Insgesamt dürfte Hartz IV – neben anderen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Fehlentscheidungen – damit auch maßgeblich für die Situation derer verantwortlich zeichnen, die sich “abgehängt” fühlen oder sich davor ängstigen, in diese Situation zu geraten. Das wiederum dürfte, wie wir ebenfalls immer wieder bestätigt gefunden haben, die gestiegene Popularität von radikalen Parteien wesentlich befördert haben. So kritisch, wie Hartz IV vor diesem Hintergrund zu bewerten ist, so wenig darf es angehen, in der Kritik wesentliche Entwicklungen falsch darzustellen oder unten den Tisch fallen zu lassen. Ein solches Vorgehen macht es den Befürwortern von Hartz IV leicht, den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen und kann daher der Aufklärung und der Entwicklung von Alternativen nur im Wege stehen. In diesem Sinne kann eine Anmerkung vom Redakteur der NachDenkSeiten, Jens Berger, auf die uns ein Leser aufmerksam machte, nur kontraproduktiv sein. Wir haben die NachDenkSeiten bereits vor nicht allzu langer Zeit für eine unkritische Übernahme einer Konjunkturberichterstattung von Heiner Flassbeck kritisiert (siehe hier). Die Reaktion des Herausgebers der NachDenkSeiten, Albrecht Müller, darauf war inhaltsleer und verlief weit unter der Gürtellinie, verbunden mit der Aufforderung, sich nicht weiter an anderen abzuarbeiten (siehe hier). Das lädt uns natürlich erst recht ein, die NachDenkSeiten, genauso wie die bekannten etablierten Medien, im Rahmen unserer Medienbeobachtung und Medienanalyse kritisch zu begleiten.

Geschützt: Medienanalyse, Hartz IV: NachDenkSeiten liegen erneut daneben (vollständiger Beitrag im Abonnement)

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Alles Lüge oder was? Medienlandschaft und -kritik in Deutschland – Von Wolfgang Lieb*

“Lügenpresse”, so skandieren die “Spaziergänger” auf den Pegida-Demonstrationen. “Lügenpresse” wurde von einer “sprachkritischen Aktion” 2014 zum “Unwort des Jahres” benannt. Es gab Stimmen, die meinten, die Entscheidung, “Lügenpresse” zum Unwort des Jahres zu küren, sei Wasser auf die Mühlen der Gegner von kritischen Bürgerrinnen und Bürger, die ihr Vertrauen in die Mainstream-Medien verloren haben.

Bruttoinlandsprodukt, drittes Quartal: Unsere Konjunktureinschätzung war wieder richtig

Heute Vormittag hat das Statistische Bundesamt die ersten vorläufigen Berechnungen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal veröffentlicht. Unsere Konjunktureinschätzung, die wir für das dritte Quartal bereits Ende September abschließend vornehmen konnten, erweist sich erneut als richtig. Eine frühe Einschätzung des BIP ermöglicht es der Wirtschaftspolitik, zeitnah und angemessen auf Konjunkturschwankungen zu reagieren.

Reaktion von Albrecht Müller auf kritischen Beitrag zu den NachDenkSeiten

Am 23. August ist in Wirtschaft und Gesellschaft – Analyse & Meinung (WuG) ein kritischer Beitrag zu den NachDenkSeiten und Makroskop erschienen (siehe hier; Leserbrief vom 6. September dazu auch hier). Jetzt erreichte mich soeben eine E-Mail des Herausgebers der NachDenkSeiten, Albrecht Müller, aus der unten die Passagen wiedergegeben werden, die sich auf den Beitrag beziehen (keine Anrede und Rechtschreibung im Original):

NachDenkSeiten, Makroskop: Keine Alternative

Sie beklagen, dass die etablierten Medien ihrer Aufgabe, den demokratischen Willensbildungsprozess zu befördern, nicht gerecht werden (1). Und sie klagen an. Die NachDenkSeiten: Die Medien würden manipulieren, indem sie zum Beispiel wichtige Informationen verschweigen (2). Makroskop: Statistische Ämter würden ihre Berechnungen nach den Erwartungen von Politikern ausrichten (3). Sie “wollen die Qualität der öffentlichen Meinungsbildung und damit auch die Qualität der politischen Entscheidungen fördern” und “ein Angebot sein für jene, die in den meinungsprägenden Medien kein ausreichend kritisches Meinungspotential mehr erkennen.” (4) Wie ist es aber um die Qualität der öffentlichen Meinungsbildung und das kritische Meinungspotenzial dieser beiden Medien selbst bestellt?

Böhmermann: Wie ich ihn kennenlernte

Ich habe, soweit ich zurückdenken kann, keinen Fernseher mehr. Doch halt, an Harald Schmidt erinnere ich mich noch. Er hat damals wirklich etwas neues auf die Mattscheibe gezaubert. Dieser tabulose Humor, die Dramaturgie, seinen Gästen im Studio Honig um den Mund zu schmieren und, sobald sie draußen sind, über sie herzuziehen. Stichwort: Bettina Böttinger! Die ihn freilich nicht verstanden hat. Diese Mischung zwischen burlesker, völlig Sinn entleerter Blödelei bis hin zur verspielten Satire, in alle Richtungen austeilend, ohne moralische Bevormundung und Belehrungen, wie sie sich links gerierende Satiriker so gern zu eigen machen, sondern auf den Verstand seiner Zuschauer vertrauend. Was das mit Böhmermann zu tun hat? Geduld, Geduld.