Tag Archiv für Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung

“Fast Vollbeschäftigung”, “Produktionskapazitäten überausgelastet”, in Deutschland?

“In Deutschland herrscht fast Vollbeschäftigung”, meint Christoph Heinemann, Moderator des Deutschlandsfunks, an das SPD-Urgestein Rudolf Dreßler gerichtet. Der entgegnet etwas nebulös, dass diese “auf dem Papier de facto nicht besteht”. Das war am Freitag vergangener Woche. Heute meldet der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, das vornehmste Beratungsgremium der Bundesregierung, gar: “Die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten waren im Jahr 2016 mit 0,4 % leicht überausgelastet.” Demnach herrschte nicht nur Vollbeschäftigung, sondern es fehlten sogar Arbeitskräfte. Beides kann bei einer Arbeitslosenquote von rund sechs Prozent und einer Unterbeschäftigungsquote, die noch weit darüber liegt, nicht stimmen. Jene Falschmeldungen, neudeutsch fake news, können schwere Konsequenzen haben, vor allem für die Arbeitslosen, aber auch für das politische System.

Flüchtlinge, Medien, Sachverständigenrat: Wirtschaftsweise sieht ohnehin marginale Meinungsvielfalt im Sachverständigenrat als Problem – und argumentiert abstrus gegen Mindestlohn

Die Wirtschaftsweise – so die populäre Bezeichnung für Mitglieder des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, ein Beratungsgremium der Bundesregierung -, Isabel Schnabel, hat Anja Ettel von der Tageszeitung “Die Welt” ein Interview gegeben. Die fragwürdige Kompetenz beider war schon häufiger Gegenstand in WuG (siehe zu Isabel Schnabel hier, zu Anja Ettel, ehemals “Miss Makro”, hier). Insbesondere zwei Themen sind es wert, hinterfragt zu werden – eine Aufgabe, die an sich ja Anja Ettel zugefallen wäre, die aber vor lauter Zustimmung – vielleicht ja schon entscheidend für die Auswahl ihrer Interview-Partner – wohl ihren Beruf vergessen hat.