Tag Archiv für Trump

Trump, Brexit: Warum deutsche Medien regelmäßig daneben liegen

Die Berichterstattung deutscher Medien ist möglicherweise Opfer der Wunschvorstellungen ihrer Redaktionen. Eine Konsequenz: Die Menschen werden schlecht informiert.

Das jüngste Beispiel: Die Nachwahl in Georgia, USA. Was wurde nicht alles in diese Wahl hineininterpretiert. Wenn jetzt, nach dem Sieg des republikanischen Kandidaten, der Spiegel mit “Nur Anti-Trump – das reicht nicht“ aufmacht, dann sollten sich das Magazin wie die einschlägigen Medien in Deutschland insgesamt dies gleichsam als Spiegel vorhalten, um ihrer eigene Arbeit einmal selbstkritisch in Augenschein zu nehmen.

Alles wie gewohnt?

Gewöhnen sich die Menschen an den Ist-Zustand in Deutschland und der Welt: Terror, Krieg, soziale Not, überbordender Reichtum, nationale Bestrebungen und den Umgang der Politik damit? Wie sonst lässt sich erklären, dass sich die große Mehrheit der Menschen vermutlich gar nicht für Politik interessiert? Wann haben Sie zuletzt eine Zeitung in die Hand genommen oder sich im Internet tiefergehend mit Informationen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auseinandergesetzt? Kannten Sie Martin Schulz, bevor er von der SPD zum Kanzlerkandidaten ausgerufen wurde? Er war vorher immerhin Präsident des Europäischen Parlaments. Ich kenne gleich einige, die mit seinem Namen nichts anfangen konnten.

“Trump-Leak”: Wer ist in diesem Fall verrückt, Trump oder die Medien?

Journalisten, Politiker und so genannte Politik-Experten kriegen sich gar nicht mehr ein: US-Präsident Trump hat geheime Informationen zum so genannten Islamischen Staat (IS) an den russischen Außenminister Lawrow weitergegeben. Mit gesundem Menschenverstand ausgestattet fragt man sich, wer ist in diesem Fall verrückt, Trump oder diejenigen, die sich über diesen Sachverhalt aufregen?

“Soziale Medien” oder asoziale Medien: Demokratisierung oder Fragmentierung der öffentlichen Meinung (Teil 4)? – Von Wolfgang Lieb

Wolfgang Lieb, ehemaliger Mitherausgeber und Autor der NachDenkSeiten, davor Regierungssprecher und Staatssekretär in Nordrhein-Westfalen, sorgt sich um die Kommunikation im Internet. In diesem Mehrteiler stellt er die dies betreffenden Grundlagen und Zusammenhänge umfassend dar. Dies ist Teil 3. Teil 1 ist hier, Teil 2 ist hier, Teil 3 ist hier erschienen.

USA, EU, Deutschland: Was ist dran an Trumps Vorwürfen?

Der Niveauunterschied zwischen zwei ehemaligen Journalisten der “Financial Times Deutschland”, die leider nur für wenige Jahre den deutschen Zeitungsmarkt mit einem frischen Blick auf das Wirtschaftsgeschehen in Deutschland und der Welt bereicherte, könnte größer nicht sein. Vielleicht liegt es daran, dass der eine, Wolfgang Münchau, seinen Blick seit vielen Jahren in der weltoffenen englischen Financial Times schärft, während der andere, Thomas Fricke, sich mittlerweile als Unterhaltungskünstler bei Spiegel online versucht.

Geschützt: USA, EU, Deutschland: Was ist dran an Trumps Vorwürfen? (vollständiger Beitrag im Abonnement)

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Vorschau: Zum Wechselkurs US-Dollar/Euro +++ Zu Martin Schulz

In WuG haben wir die Wechselkursentwicklung zwischen Euro und US-Dollar immer wieder systematisch analysiert. So auch die Wechselkursentwicklung zwischen dem Euro und dem Britischen Pfund. Auf beide Länder entfallen die bei weitem höchsten Anteile des deutschen Außenhandelsüberschusses. Eben dieser steht im Ausland nicht erst seit Trump und Brexit in der Kritik. Die Vorwürfe Trumps und seiner Mitstreiter, dass Deutschland besonders von einem unterbewerteten Euro profitiere, haben aber jetzt auch in der Tagespresse ein Echo hervorgerufen. Wie ist dieses zu bewerten, vor allem aber: wie ist der Wechselkurs und wie sind die Vorwürfe der US-Regierung zu bewerten? Hierzu aktualisieren wir unsere Wechselkursanalyse. Und wir blicken zurück auf die Vorgeschichte der Kritik, die schon unter der Präsidentschaft Obamas artikuliert wurde. Allerdings wurde nicht wie jetzt unter Trump so offensiv politisch agitiert und mit Konsequenzen gedroht. Umso zentraler für das Verständis des Konflikts sind die Argumente, mit denen die Analysen der US-Administration bisher aufwarteten. Schließlich gilt es noch die Aussagen der EZB, namentlich Draghis, zu berücksichtigen – und die jüngsten Äußerungen der Bundeskanzlerin. Die Analyse soll in Kürze im Abonnement erscheinen.

Neuer Rekordüberschuss im Außenhandel könnte Protektionismus befeuern

Das Statistische Bundesamt hat heute früh Außenhandelsdaten für das Jahr 2016 veröffentlicht. Der deutsche Außenhandel mit dem Rest der Welt verzeichnete demnach einen neuen Rekordüberschuss, der noch dazu den Rekord aus dem Vorjahr “deutlich übertroffen” hat. Interessant ist seit der Wahl Trumps, aber auch seit der Entscheidung über den Brexit, die gestern erst durch das britische Parlament bestätigt wurde, weniger der Rekord selbst, sondern dessen politische Dimension. Dabei liefert nicht nur das Statistische Bundesamt mit seinen nüchternen Daten den Kritikern des deutschen Exportüberschusses neue Munition. In dieser Hinsicht vielsagend war bereits eine vorgestern in den USA veröffentlichte offizielle Statistik, die darüber informierte, dass der drittgrößte Anteil am Außenhandelsdefizit der USA auf Deutschland entfällt – noch vor Mexiko, das Trump ja bekanntlich, neben China, auch außenwirtschaftlich ein Dorn im Auge ist. Der politische Druck aus dem Ausland ist seit Trump so groß, dass zumindest einige Medien, die bisher noch jedesmal den deutschen Exportüberschuss feierten, die Kritik daran nicht länger verschweigen (siehe zum Beispiel Handelsblatt und Deutschlandfunk). Andere Medien, wie beispielsweise Spiegel online, deutsche Politiker und deutsche Wirtschaftswissenschaftler meinen hingegen die Kritik weiter ignorieren zu dürfen (siehe hierzu auch unsere Kritik am Herausgeber des Handelsblatts, Gabor Steingart, und zur Aufregung über Trump und den britischen Finanzminister Hammond hier); aber selbst sie können den drohenden Protektionismus nicht länger ignorieren, wenn sie sich auch weigern, ihn in einen ursächlichen Zusammenhang mit dem deutschen Außenhandelsüberschuss zu stellen.

Marcel Fratzscher ad absurdum geführt: Isch over! – Von Christian Christen*

Da fahre ich gestern auf der Autobahn und höre durch Zufall beim Deutschlandfunk rein. Ich traue meinen Ohren nicht. Im Interview geben der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratscher, und, als sein Stichwortgeber, Jasper Barenberg eine der vielen seichten Wortmeldungen zu Trump und dessen Handelspolitik zum Besten.

Trump: Einen Spaten einen Spaten zu nennen reicht nicht

Es sind Beiträge wie der Film “Präsident Trump – Leben für den Erfolg” von Michael Kirk, die der Person Trump wirklich auf den Grund zu gehen versuchen – und die einem tatsächlich Furcht einflößen vor dem vorgestern inaugurierten 45. Präsidenten der USA, Donald J. Trump. Kirk hat aber just unmittelbar zur Inauguration von Trump auch einen Film veröffentlicht, der den Titel “Divided States of America”, Geteilte Staaten von Amerika, trägt (1). Er scheint also auch nach den Ursachen für den Aufstieg Trumps zum US-Präsidenten zu fragen und diese in einem geteilten Land zu suchen (wir können den Film in Deutschland aus rechtlichen Gründen leider nicht einsehen). Von einem solchen Erkenntnisinteresse sind derzeit aber nur vergleichsweise wenige Filme-Macher, Journalisten und Politiker geleitet. Vielmehr erleben wir neben einer durchaus nachvollziehbaren, aufrichtigen Verwirrung über das von Trump infrage gestellte Selbstbild Europas, insbesondere Deutschlands, dass einige Journalisten und Politiker die neu entstandene Situation als gestandene Propagandisten des Kalten Krieges ausschlachten. Für sie ist nicht die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation in den USA verantwortlich für den Wahlsieg Trumps, sondern der böse Russe Putin. Einer der brachialsten Vertreter dieser verhängsnisvollen Ausrichtung ist vermutlich Marcus Pindur, der dieses Feld unter anderem für den öffentlich-rechtlichen Deutschlandfunk bestellt. Wir gehen unten näher darauf ein. Dass dieses Phänomen jedoch keineswegs ein deutsches oder europäisches ist, sondern auch in den USA selbst zuhause ist, hat jüngst erst der Journalist Glenn Greenwald kritisch aufgezeigt und problematisiert. Wir wollen im Folgenden versuchen, beides zusammenzubringen, um die Art und Weise besser zu verstehen, mit welchen Mitteln in diesem Propaganda-Krieg versucht wird, die Meinungshoheit zu gewinnen und welche Gefahren – auf die Greenwald verweist und auf die wir in vorangegangenen Beiträgen zum Thema bereits verwiesen haben – dies mit sich bringt. Gefahren für unsere Demokratien und den Weltfrieden.