Tag Archiv für Wettbewerbsfähigkeit

Drittmittel korrumpieren die Hochschulforschung – Von Wolfgang Lieb*

Unter dem Tarnwort “Autonomie” wurde im deutschen Hochschulwesen ein Systemwechsel von der sich selbstverwaltenden Gruppenuniversität zur “unternehmerischen” Hochschule vollzogen. In “funktionell privatisierten” Hochschulen entscheiden “Vorstandsvorsitzende” (so damals das LHG B-W 2005) “autonom” über Strategie, Personalentwicklung, Stellenumwidmungen oder Leistungsbezüge. “Führungspersönlichkeiten” aus der Wirtschaft dominieren die Hochschulräte (Röbken/Schütz, die hochschule 2/13, S. 96ff. [99]). In Baden-Württemberg waren nach offiziellen Angaben im Jahre 2012 von 251 Hochschulratsmitgliedern 134 Führungskräfte der Wirtschaft als frei schwebende, niemand verantwortliche Aufsichtsräte tätig. Profitorientierte private Agenturen entscheiden (in verfassungswidriger Weise) über Studiengänge und deren Qualität.

Nach Einigung mit Euro-Gruppe: Das Wesentliche

Kaum haben die Verantwortlichen doch noch einmal politische Reife bewiesen, indem sie in sehr kurzer Zeit einen Kompromiss erzielten, der alle Beteiligten aufatmen lassen könnte, da grollen und rechthaben sie auch schon wieder in Pressekonferenzen (Schäuble unmittelbar nach der Erzielung des Kompromisses) oder sehen sich als Sieger (Tsipras). Und auch die einschlägigen Medien bleiben in ihrem gewohnten Fahrwasser, auf eine besonders penetrante Art noch dazu die ModeratorInnen des öffentlich-rechtlichen Deutschlandfunks. Dort ist Griechenland, von Ausnahmen abgesehen, der große Verlierer des Kompromisses. Dabei ist das Wesentliche doch offensichtlich.

Merkel und Gabriel pflegen weiter ihr Mantra der Wettbewerbsfähigkeit – und verkennen den zentralen Zusammenhang

“Staat und Unternehmen müssen nach Ansicht von Bundeskanzlerin Merkel und Wirtschaftsminister Gabriel mehr Geld investieren, damit Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit erhält”, berichtet der Deutschlandfunk in seinen 6 Uhr Nachrichten. Dass es gerade das Mantra der Wettbewerbsfähigkeit war und ist, das für die schwachen Investitionen in Deutschland verantwortlich zeichnet, kommt ihnen auch nach über zehn Jahren Agenda 2010 nicht in den Sinn. Wohl, weil sie den zentralen Zusammenhang verkennen.

Der Hüther der ökonomischen Klamottenkiste

Er durfte natürlich nicht fehlen in der aktuellen “Lohndebatte”: Michael Hüther, (Frühstücks?)-Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Obwohl sich weder die Vertreter der Bundesbank noch der Gewerkschaften in dieser “Debatte” mit Ruhm bekleckert haben (siehe dazu hier, hier und hier), und obwohl die “Debatte” bei genauerem Hinsehen doch reichlich inszeniert wirkt, sieht sich der Ökonom der Arbeitgeberlobby genötigt, tief in die ökonomische Mottenkiste zu greifen. Sicher ist sicher, wird er sich gedacht haben – und beweist doch nur wie blamabel seine Position ist. Immerhin erfährt man dadurch, dass es den Focus noch gibt. Warum eigentlich? Möglicherweise, weil diejenigen, die sich ihn noch leisten, ein Interesse an der Verbreitung der von Hüther gehüteten ökonomischen Klamotten haben…Der Hüther der ökonomischen Klamottenkiste (vollständiger Beitrag nur im Abonnement)

Geschützt: Der Hüther der ökonomischen Klamottenkiste (vollständiger Beitrag nur im Abonnement)

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Hinweis: Wir sind offensichtlich die Einzigen, die die Strompreisrabatte für die Industrie im Rahmen des EEG systematisch vor dem Hintergrund der Wettbewerbsfähigkeit untersucht haben

Der Deutschlandfunk meldet heute früh: “Das Bundeskabinett berät heute in Berlin über die Strompreisrabatte für die Industrie.”

Weiter heißt es in der Meldung:

EWU steigert Leistungsbilanzüberschuss innerhalb eines Jahres um 64 Prozent

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute die Zahlungsbilanzdaten für den Monat Februar veröffentlicht. Daraus lässt sich errechnen, dass die Europäische Währungsunion (EWU) gegenüber Vorjahresmonat ihren Leistungsbilanzüberschuss mit dem Rest der Welt um 95 Mrd. Euro (63,6%) gesteigert hat. Der Anteil des Leistungsbilanzüberschusses am Bruttoinlandsprodukt stieg im selben Zeitraum von 1,6 auf 2,6 Prozent (+63%).

Gabriels Energiewende: Nach Lohndumping Stromdumping – Ein Gastbeitrag für die NachDenkSeiten

“Aber was vor einigen Jahren zu hohe Lohn- und Sozialkosten waren, sind heute die wachsenden Energie- und Rohstoffkosten”, so der Bundesminister für Wirtschaft und Energie und SPD-Vorsitzende, Sigmar Gabriel, am 13. März 2014. Und, so Gabriel weiter: “Die Strompreise in Deutschland sind doppelt so hoch wie in den USA. Wenn wir nicht mindestens unsere Industrie entlasten, droht uns eine Deindustrialisierung.” Das, so Gabriel, sei keine “plumpe Propaganda der Wirtschaft, sondern bittere Realität”. Es ist Gabriels “Realität”. Und es ist die “Realität” der “Energieintensiven Industrien”, zu deren Büttel sich Gabriel gemacht hat. Er schadet damit nicht nur der Energiewende und dem sozialen Zusammenhalt in Deutschland und Europa. Er führt damit aller Voraussicht nach die SPD mit wehenden Fahnen in die nächste Etappe ihres Untergangs…Weiterlesen auf den NachDenkSeiten.

Statistik des Tages/EEG-Umlage: Gabriel droht mit Arbeitsplatzverlusten – er hat aber keine empirische Grundlage

Wirtschaft und Gesellschaft – Analyse & Meinung hat in den vergangenen Monaten nicht nur immer wieder die EEG-Umlage und in diesem Rahmen die Ausgleichsregelung für die Industrie bzw. die Befreiung der Industrie von der EEG-Umlage thematisiert. Gleichzeitig untersuchen wir im Rahmen einer Serie, ob sich Europa deindustrialisiert. In einem weiteren Teil zu Deutschland soll in dieser Serie noch in diesem Monat der Außenhandel mit den USA untersucht werden, nachdem zuvor der Außenhandel Deutschlands mit den anderen Euro-Ländern Gegenstand war. Jetzt aber hat der Bundeswirtschaftsminister erneut mit dem Verlust von Arbeitsplätzen in der Industrie gedroht, sollte die Befreiung der Industrie von der EEG-Umlage wegfallen.

EWU/USA: Inflation, Wechselkurs, Wettbewerbsfähigkeit – Zündstoff für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA, Deutschland und der EWU

Vor zwei Tagen hat das europäische Amt für Statistik, Eurostat, bekannt gegeben, dass, nach vorläufigen Angaben, die jährliche Inflation im Euroraum im Dezember 2013 auf 0,8 Prozent gesunken ist. Ein Jahr zuvor hatte sie noch 2,2 Prozent betragen. Berücksichtigt man das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von “unter, aber nahe zwei Prozent” und gießt dieses in die Zahl 1,9 Prozent, hat die Inflation ihr Ziel im Dezember 2012 um 0,3 Prozentpunkte verfehlt (überschritten), 2013 aber um 1,1 Prozentpunkte (unterschritten). Im Durchschnitt der 12 Monate des Jahres 2013 lag die Inflation nach vorläufigen Angaben bei 1,4 Prozent, 2012 betrug sie 2,5 Prozent. Zeitgleich sind die Verbraucherpreise in den USA im Dezember 2013 gegenüber Dezember 2012 um 1,5 Prozent gestiegen, im Durchschnitt der 12 Monate des Jahres 2013 um 1,4 Prozent. Entgegen weitverbreiteter Auffassung hat auch die amerikanische Notenbank ein Inflationsziel (siehe dazu hier [im Abonnement]). Einen Tag zuvor hat Eurostat bekannt gegeben, dass die EWU ihre Ausfuhren in die übrige Welt im Zeitraum Januar bis November 2013 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1 Prozent gesteigert hat, während die Einfuhren der EWU aus der übrigen Welt im selben Zeitraum um 4 Prozent zurückgegangen sind. Nach England sind die USA der wichtigste Handelspartner der EWU. Gleichzeitig erzielt die EWU mit den USA nach England den größten Handelsbilanzüberschuss. Mit den USA erzielte die EWU 2013 (Januar bis Oktober) einen Handelsbilanzüberschuss von rund 61 Mrd. Euro. Einen ähnlich hohen Überschuss erzielte die EWU mit den USA bereits 2012. Welche Rolle fällt hierbei dem Wechselkurs des US-Dollars (USD) gegenüber dem Euro zu? Das Handelsblatt schrieb dazu erst gestern: “Euro fällt unter Marke von 1,36 US-Dollar”. Und meint: “Obwohl neue US-Wirtschaftsdaten nicht voll überzeugen konnten, gerät der Euro unter Druck. Der Kurs der Gemeinschaftswährung ist deutlich gefallen. Analysten erwarten weitere geldpolitische Lockerungen der EZB.” Zur Einschätzung dieser Entwicklung zitiert das Handelsblatt einen Analysten mit den Worten (kursive Hervorhebung, T.H.): “Wegen der niedrigen Inflation im Euroraum erwarten immer mehr Analysten erneute geldpolitische Lockerungen. ´Der Euro ist weiterhin überbewertet – die EZB wird irgendwann handeln müssen´, meinte Erik Welne vom Handelshaus FXCM. ´Auf der Sitzung Anfang März dürfte es auf eine Senkung des Leitzinses hinauslaufen´, prognostizierte Christoph Weil von der Commerzbank. Er ging davon aus, dass der Preisauftrieb weiter nachlässt. Der Dollar dürfte nach Einschätzung von Volkswirten vom anziehenden US-Wachstum profitieren. Wenn die Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt, kann die Notenbank Fed ihre Konjunkturstützen weiter abbauen. Die US-Industrieproduktion ist im Dezember nach einem starken Vormonat weiter gestiegen, wie neue Zahlen zeigen. Daten vom Immobilienmarkt und zum Konsumklima blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück.” Trifft diese Einschätzung aber zu, müsste der Außenhandelsüberschuss der EWU mit den USA weiter steigen, weil letztere aufgrund ihres stärkeren Wachstums mehr Nachfrage auf die EWU richten, als umgekehrt. Was aber, wenn die USA, die schon zuvor den Exportüberschuss Deutschlands kritisiert haben, dies zum Anlass nehmen, den Wechselkurs in die entgegengesetzte Richtung zu lenken? Auf Deutschland dürfte der größte Anteil des EWU-Außenhandelsüberschusses mit den USA entfallen. Und müsste der Dollar gegenüber dem Euro nicht eher an Wert verlieren, wenn die Preise dort anziehen, in der EWU aber weiter an Auftrieb verlieren? Wir haben aufgrund unserer vorangegangenen Analyse bereits zwischen preislicher Wettbewerbsfähigkeit und Konjunktur als Einflussfaktoren auf die Außenhandelsentwicklung unterschieden. Das Bild, das der im Handelsblatt zitierte Analyst zeichnet, bestätigt diese Einschätzung – nur, dass der Analyst offensichtlich nur die preisliche Wettbewerbsfähigkeit im Blick hat. Wie hat sich also der Wechselkurs des USD gegenüber dem Euro 2013 und rückblickend bis zum Beginn der EWU entwickelt und wo steht er heute? Inwieweit bestimmt er das Außenhandelsungleichgewicht zwischen der EWU und den USA? Und welche Rolle spielt die Konjunktur?…EWU/USA: Inflation, Wechselkurs, Wettbewerbsfähigkeit – Zündstoff für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA, Deutschland und der EWU (vollständiger Beitrag nur im Abonnement)