40 Jahre AfA/SPD/DGB: Arbeitnehmerflügel der SPD lädt nach “Intervention” von DGB-Chef Sommer Ursula Engelen-Kefer aus

Heute wurde ich von der ehemaligen DGB-Vize, Ursula Engelen-Kefer, auf folgenden Vorgang aufmerksam gemacht. Er ist nicht nur wegen des mehr als fragwürdigen persönlichen Umgangs des DGB-Chefs, Michael Sommer, vielsagend, der offen gesagt in meinen Augen einem skandalösen Mobbing gleichkommt, sondern scheint mir generell ein Phänomen zu unterstreichen, das selbst in den Gewerkschaften wie auch in der Politik nicht eben selten anzutreffen ist: dass zwischen politischem Anspruch und persönlicher Wirklichkeit ein tiefer, tiefer Abgrund gähnt.

Rudolf Dressler beim AfA-Bundeskongress 2008 (Quelle: wikipedia, frei unter GNU Free Documentation License, Klick auf Bild führt zur Quelle)

Der Arbeitnehmerflügel der SPD, die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA), hatte Engelen-Kefer zur Teilnahme einer Podiumsdiskussion im Rahmen der 40-jährigen Jubiläumsfeier der AfA in Duisburg eingeladen. Thema und Besetzung des Podiums: “AfA Gestern-Heute-Morgen”; Klaus Barthel, Rudolf Dressler, Friedhelm Farthmann (AfA-Mitgründer), Ursula Engelen-Kefer, Fierat Aslan (JAV Bayer) und Rainer Bischoff Moderation, hieß es in dem mitgesendeten Programm.

Der ursprüngliche Programmablauf. Zur Vergrößerung auf Tabelle klicken.

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Trotz der Kurzfristigkeit der Einladung – die Veranstaltung findet am 31. August statt, die Einladung erreichte Ursula Engelen-Kefer am 26. August – reagierte Engelen-Kefer unmittelbar mit Zustimmung. Nicht einmal zwei Stunden, nachdem die Einladung an sie per E-Mail gesendet wurde, antwortete Engelen-Kefer: “…auch wenn dies eine sehr kurzfristige Einladung ist, bin ich infolge jahrzehntelangem Streitens innerhalb und außerhalb von Gewerkschaften und SPD für die Sozialpolitik gerne bereit, Eurer Einladung zu folgen. Freue mich darauf, langjährige Mitstreiter wieder zu sehen. Außerdem setze ich mich gerade mit Blick auf die nächsten Bundestagswahlen gerne für Euch als AfA in NRW und damit natürlich auch für unsere Partei ein.”

Die freundliche Absenderin der Einladung – wie so oft müssen sich auch in der Gewerkschaft und im Politikbetrieb die unteren Hierarchien für die Versäumnisse in oberen Hierarchien entschuldigen – war sich dabei durchaus der Kurzfristigkeit bewusst, wenn sie schreibt: “Eingangs muss ich mich entschuldigen, dass wir nicht schon längst mit Dir über diesen Termin gesprochen haben, denn die Idee, dass Du für einen aktiven Teil dieser Veranstaltung angefragt werden sollst, besteht seit Beginn der Planungen. Allerdings ist dies wohl im Vorfeld des sogenannten Deutschlandfestes und durch den Umstand, dass hier verschiedene Büros und Ebenen zusammenarbeiten, unter die Räder gekommen. Dafür möchte ich mich im Namen aller entschuldigen.”

Doch schien ja nun alles noch rechtzeitig in trockenen Tüchern. Schien. Heute nämlich erreichte Engelen-Kefer auf Nachfrage ihrer Reisedisposition die Mitteilung, “dass das Büro des DGB-Vorsitzenden Michael Sommer ´interveniert´ habe.” Sommer werde nicht zu der angekündigten Rede erscheinen, wenn Engelen-Kefer zu der anschließenden Podiumsdiskussion komme. “Entweder oder”, tönte es aus der DGB-Vorstandsetage. Daraufhin nun wurde Engelen-Kefer, man glaubt es nicht, von der AfA ausgeladen – und dies, wie Engelen-Kefer mir mitteilte “nach 25 Jahren im Bundesvorstand der SPD bis 2009 sowie 16 Jahren als Stellvertretende Vorsitzende des DGB bis 2006 – mit vielen Jahren des gemeinsamen Einsatzes für die Arbeitnehmerinteressen in DGB, AfA und SPD in den besonders schwierigen Zeiten der Riesterrente, Hartzreformen und Agenda 2010.”

Der Vorgang wurde mir von zuverlässiger und unabhängiger Seite bestätigt.

Wie reagiert nun Klaus Barthel, Vorsitzender der AfA und als SPD-Bundestagsabgeordneter im “Wahlkampfmodus”: Er habe, “wenige Wochen vor den Bundestagswahlen keine andere Wahl gehabt, als sie auszuladen”, so Barthel gegenüber Engelen-Kefer.

Bei so viel Unvermögen, fehlendem Gerechtigkeitssinn und politischem Opportunismus selbst in der Spitze der SPD-Linken, muss man sich ein weiteres Mal nicht länger wundern, dass die SPD da steht, wo sie steht.

Engelen-Kefer abschließend: “Zum 40-jährigen Jubiläum der AfA mögen die Mitglieder diesen Vorgang selbst beurteilen.”


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