GDL, Bahnstreik: Eindimensionale Sicht der Medien erschreckend und weit weg von der Wirklichkeit

Glaubt man der Presseschau des Deutschlandfunks von heute Vormittag, kann es nur einen Rückschluss geben: Der Streik der GDL stößt ausnahmslos auf Unverständnis, und das Unverständnis richtet sich ausschließlich gegen die GDL, nicht die Unternehmensführung der Bahn oder den Eigentümer Bund. Ein nahezu identisches Bild liefert der “Pressekompass” von Spiegel online. Das eindimensionale Bild der Presse ist das eine. Die Artikulierung desselben das andere:

Ein Streik wird wie selbstverständlich als “Erpressungsversuch” kriminalisiert (Darmstädter Echo) und dies der GDL unterstellt, nicht der Bahn. Der Kommentator des Handelsblatts, Daniel Klager, sieht sich gar eines “Grundrechts” beraubt, dem der Mobilität. Klager weiß offensichtlich nicht, was ein Grundrecht ist. Im Grundgesetz ist dazu jedenfalls nichts zu finden, zum Streik in Artikel 9 dagegen schon. Aber das Grundgesetz ist auch nicht Klagers Richtschnur, sondern dies: “Die Wirtschaft erwartet Mobilität”, schreibt er. Vielleicht hätte er seine Karrie besser als Pressesprecher eines Unternehmens wie der Bahn geplant und nicht als Journalist. Aber warum eigentlich, diese Art “Journalismus” scheint ja bei Chefredakteuren, Intendanten, Herausgebern und Verlegern auf breite Zustimmung und Anerkennung zu stoßen.

Es kann dabei gar nicht darum gehen, die GDL von Kritik auszunehmen, wenn diese gut recherchiert und begründet ist. Davon aber kann in den besagten Medien keine Rede sein. Alle tonangebenden Medien beten dieselben Sätze herunter, dieselbe Sicht, ohne sie zu belegen oder auch nur halbwegs schlüssig zu begründen. Auch eine gute Polemik, gegen die überhaupt nichts einzuwenden ist, will gut begründet sein. Die deutsche Presse ist, leider nicht nur bei diesem Thema, längst keine “vierte Gewalt” mehr, keine demokratische Kontrollinstanz, sie ist eine manipulative Gewalt von eindrucksvoller intellektueller Schlichtheit. Ihr ganzer Gestus erscheint mir als bittere, erschreckende Karikatur der Pressefreiheit.

Ein häufig bemühter Satz in der Berichterstattung zum Tarifkonflikt bei der Bahn ist auch dieser:

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“Verständnis für die Art des Streiks existiert nicht mehr.” Hier zitiert nach dem bereits oben zitierten Daniel Klager vom Handelsblatt. Woher hat er das nur? Wir erfahren es nicht. Schaut man nur in die Kommentare der facebook-Seiten von tagesschau.de und anderen Medien bietet sich ein ganz anderes Bild. Das Verständnis ist im Gegenteil trotz aller durch den Streik entstandenen Widrigkeiten für das persönliche Fortkommen und der eindimensionalen Stimmungsmache der Medien sehr groß. Das zeigen auch die Leserreaktionen auf der WuG-facebookseite (siehe zum Beispiel hier, hier und hier). Die Medien disqualifizieren sich also nicht nur durch ihre Arbeitsweise, die allen journalistischen Standards zuwider läuft, sie sind auch weit, weit weg von der Wirklichkeit.

Die Behandlung des GDL-Streiks bringt damit ein zutiefst gestörtes und verstörendes Verhalten der Medien an den Tag. Ein Sachverhalt allerdings, der aufmerksamen Beobachtern bereits seit langem auch bei anderen Themen nicht verborgen geblieben sein dürfte.

Die Politik freut es. Sie sieht sich nicht durch die Medien hinterfragt, kritisiert und kontrolliert, sondern bestätigt. So auch die Arbeitgeberverbände. Nicht einmal diese Einstimmigkeit scheint die Medien aufzuschrecken.

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