GdL-Streik, “Bild”-Zeitung: Die verlorene Ehre der GdL?

Viele Medien haben das Wochenende weiter dazu genutzt, den Bahnstreik zu skandalisieren und zu delegitimieren (siehe davor hierzu kritisch hier, hier, hier und hier). Die Bundesrepublik wäre nicht die Bundesrepublik, wenn sich die “Bild”-Zeitung dabei nicht besonders hervortun würde. Man kann nur hoffen, dass Bölls “Die verlorene Ehre der Katharina Blum” noch nicht aus dem deutschen Bildungskanon verschwunden ist. Viele Medien haben die folgende Meldung der “Bild”-Zeitung übernommen. Welch Geistes Kind der Arbeitsrechtler ist, auf den sich die “Bild”-Zeitung beruft, dieser Frage ist offenbar keines dieser Medien nachgegangen. Wirtschaft und Gesellschaft – Analyse & Meinung (WuG) hat dagegen etwas recherchiert und ist dabei auf die “Stuttgarter Zeitung” gestoßen.

Die “Stuttgarter Zeitung” ist eine konservativ-liberale Zeitung. Lobby Control hat der Zeitung vorgeworfen, sich vehement zum umstrittenen Großprojekt Stuttgart 21 zu bekennen (wikipedia). Von daher hätte das Blatt den Arbeitsrechtler Manfred Löwisch, dessen Aussagen die “Bild”-Zeitung heute dazu genutzt hat, den GdL-Streik juristisch infrage zu stellen, weniger kritisch porträtieren können, als sie es am 17. Oktober 2011 getan hat. Etwas, das die “Bild”-Zeitung und die anderen Medien, die die Meldung der “Bild”-Zeitung heute übernahmen und so in Windeseile in die Welt hinaus trugen, versäumten. Vielleicht meinte es die “Stuttgarter Zeitung” auch gar nicht kritisch. Wissenswert aber ist es in jedem Fall, um die heutige Meldung der “Bild”-Zeitung und deren unkritische Übernahme durch andere Medien zu hinterfragen.

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Löwisch, so die Stuttgarter Zeitung am 17. Oktober 2011, “ist bisher mehr als Interpret des Rechts und profilierter Anwalt der Arbeitgeberseite in arbeitsrechtlichen und Tariffragen in Erscheinung getreten.” Über das “CDU-Mitglied Löwisch” heißt es dort weiter: “Mit wissenschaftlichen Publikationen, Gutachten, und Stellungnahmen – bis 11. Oktober 2011 auch für die Stuttgarter Kanzlei Gleiss Lutz als ´Of counsel´ – prägte der Hochschullehrer eine konservative Gilde von Arbeitsrechtlern.”

Die “Bild”-Zeitung” aber stellt Löwisch nur vor, als: “der renommierte Arbeitsrechtler Manfred Löwisch (77), Ex-Rektor der Uni-Freiburg…” Nicht ohne den Beitrag über dessen Aussagen mit der Überschrift, “Wie faul ist der Bahnstreik?”, zu versehen und der GdL gleichzeitig “kühle Berechnung” zu unterstellen.

Richtig liegt die “Bild”-Zeitung damit, möglichen Fehlern beim Abstimmungsergebnis zum Streik der GdL nachzugehen. Aber außer der Aussage des Arbeitsrechtlers präsentiert die “Bild”-Zeitung nichts. Sie schreibt, dass sie sich seit dem 2. Oktober vergeblich um eine Stellungnahme der GdL bemüht habe. Das ist merkwürdig: Warum hat sie dies dann nicht viel früher publiziert, und warum hat sie nicht weitere Sachverständige zu dieser Frage konsultiert? Über zwei Wochen wären doch wohl Zeit genug gewesen. Zumal sage und schreibe vier Journalisten als Autoren jenes Beitrags genannt werden. Ich habe die GdL (@GDL_NRW) heute nur schnell über twitter um eine Stellungnahme gebeten, nachdem ich über einen tweet des Berliner Tagesspiegel von der Meldung erfuhr, der diese offensichtlich nicht weiter hinterfragte – und bekam kurze Zeit später diese Antwort von der GdL:

Das heißt nicht, dass diese Frage juristisch nicht weiter geklärt werden müsste. Aber es muss doch zu denken geben, auf welche Art und Weise die “Bild”-Zeitung Stimmung macht und andere durchaus renommierte Medien diese – sieht man einmal von dem berühmt berüchtigten Fragezeichen in der Überschrift ab – unhinterfragt übernehmen. Katharina Blum lebt.

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