Ein Weihnachtsbrief an Sie

Liebe Abonnentinnen und Abonnenten, liebe Leserinnen und Leser,

ich wünsche Ihnen schöne und besinnliche Weihnachten.

Als erstes möchte ich mich für Ihre Abonnenten-Treue und Ihre Spenden bedanken. Ohne Sie gäbe es Wirtschaft und Gesellschaft – Analyse & Meinung nicht mehr!

Zu Weihnachten möchte ich Ihnen darüber hinaus einen kleinen persönlichen Einblick in meine tägliche Arbeit und mein derzeitiges Leben geben, einen kurzen Rückblick und Ausblick wagen und Dankeschön sagen:

Zur Betriebswirtschaft und zum Betrieb von Wirtschaft und Gesellschaft – Analyse & Meinung

Gerade diesen Monat sind wieder drei neue Abonnenten hinzugekommen. Noch aber erwirtschaftet Wirtschaft und Gesellschaft – Analyse & Meinung nicht genug, um mein Leben zu finanzieren, das durchaus bescheiden ist. Ich bin wirklich gespannt, ob die Miete zum 1. Januar des Neuen Jahres gedeckt wird. Die Krankenversicherung kommt erst danach und wird schlichtweg solange ausgesetzt. Ich wunder mich, noch keine Post von der DAK deswegen erhalten zu haben. Bisher war diese Krankenkasse immer übereifrig, Kasse zu machen. Dieser kritische Unterton richtet sich nicht gegen die gesetzlichen Sozialversicherungssysteme, zu deren großen Befürwortern ich zähle. Wohl aber stecken auch diese voller Ungerechtigkeiten und Härten, die mit etwas politischem Problembewusstein und Willen, Sinn für Gerechtigkeit und Fachkompetenz leicht aus der Welt zu schaffen wären. Davon aber ist im Koalitionsvertrag von Union und SPD rein gar nichts zu lesen. Und auch die gesetzlichen Krankenkassen selbst – von den privaten gar nicht zu reden – scheinen sich darum nicht zu scheren. Ansonsten wäre es ein Leichtes für sie, mit einer entsprechenden Öffentlichkeitsarbeit auf jene Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen und Veränderungen anzumahnen. Stattdessen gerieren sie sich wie private Großkonzerne und setzen auf private Zusatzversicherungen, die neue Ungerechtigkeiten schaffen und viele Menschen leer ausgehen lassen. Soziale Kompetenz: Fehlanzeige.

Hartz IV kommt für mich nicht in Frage. Es würde mich krank machen – wie es so viele krank macht, die aber anders als ich leben und häufig auch noch eine Familie zu versorgen haben und daher gar nicht anders können, als sich diesem unmenschlichen System auszuliefern. Sehr viele, da bin ich mir sicher, nehmen aus ähnlichen Gründen wie ich Hartz IV nicht in Anspruch. Menschen, die, wie der Bundespräsident, das Wort Freiheit in den Mund nehmen, sich aber nicht gegen dieses System wenden, sind bestenfalls lächerliche Figuren der Weltgeschichte. Ich arbeite Vollzeit für Wirtschaft und Gesellschaft, als Journalist und Volkswirt und als Mensch mit gesellschaftspolitischem Kompass. Und ich glaube nachwievor, dass es sich über kurz oder lang finanziell tragen wird. Nächsten Monat könnte es entspannter werden, denn der Gesamtbetriebsrat eines großen Unternehmens hat mich um eine Kolumne und um Textgestaltung gebeten. Die Kolumne ist bereits fertig entworfen, der erste Termin zur Textgestaltung eines anderen Objekts für den Januar 2014 vereinbart. Vorher muss aber noch die Zusage über das Finanzielle erfolgen. Wäre die Entscheidung und Zahlung so schnell erfolgt, wie ich die Kolumne entworfen und geschrieben habe, wäre ich diesen Monat bereits gerettet gewesen. Eine Einzelperson ist aber schließlich kein Unternehmen. Ein interessantes Gefühl, nicht zu wissen, ob das Konto am 1. Januar 2014 gesperrt ist. Denn ich weiß nicht einmal, ob ich ins Minus gehen darf. In einer solchen Situation war ich erst einmal: als Student. Das ist lange her. Hätte mir ein guter Freund nicht bereits vor zwei Monaten 1.000 Euro geliehen, wüsste ich bereits, ob mir auf meinem Konto ein Minus erlaubt ist oder nicht.

Mein Arbeitsalltag gestaltet sich in der Regel wie folgt: Sehr frühes Aufstehen. Laufen mit meiner vierbeinigen Kollegin Hilka und Hören der Frühinformationen im Deutschlandfunk. Morgentoilette. Frühstück. Erneuter Aufbruch. Diesmal in ein günstiges Café mit sehr guter, freier und unbegrenzter Internetverbindung – und sehr hundefreundlicher Bedienung. Sie werden sich vielleicht wundern, aber ich habe keine eigene Internetverbindung – und keinen Fernseher. Ich plädiere auch dafür, das Internet als öffentliches Gut zu behandeln und hierüber allen, auch denen, die es sich zur Zeit nicht leisten können oder sich dafür verschulden, einen freien Zugang ins Netz zu ermöglichen. Steuerfinanziert. Entweder werden jetzt die ersten Beiträge geschrieben, oder, wurden sie bereits am Abend zuvor verfasst, eingestellt und veröffentlicht. Weitere Arbeitsschritte: Analyse, Recherche, Schreiben, Gastbeiträge anfragen, Theaterstücke und Bücher zur Rezension aussuchen, Pressekarten, Interview-Partner anfragen, versuchen, Wirtschaft und Gesellschaft bekannter zu machen, mangels Werbebudget über facebook und twitter. Zwischen 12 und 13 Uhr gehe ich dann in die Mittagspause. Da wird der Hund richtig bewegt, und ich bewege mich mit. Danach geht es wieder ins Café, und es wird weiter geschrieben, recherchiert etc. Am Abend bilden die Informationen und Nachrichten häufig bereits wieder die Grundlage für neue Beiträge für den nächsten Tag. Auch lässt der Abend Raum für das Lesen von Büchern und das Erstellen von aufwändigeren Graphiken etc. Wie zeitaufwendig das Ganze ist, merke ich immer dann, wenn ich mich mit anderen Menschen außerhalb dieser Arbeit verabrede: Sofort habe ich das Gefühl, in Rückstand bei der Arbeit zu geraten.

Eine neue Rubrik

Seit gestern erscheint bei Wirtschaft und Gesellschaft eine neue Rubrik: Energiewende – aber richtig.

Sie verdankt sich besonders der Initiative und dem Engagement von Gerhard Kilper, dem ich dafür sehr dankbar bin. Ich werde dazu an dieser Stelle gar nicht mehr schreiben. Der einleitende Text zur Rubrik, der wiederum maßgeblich der Arbeit von Gerhard Kilper und seinem Sohn, Dr.-Ing. Thilo Kilper, zu verdanken ist, informiert bereits sehr umfassend über Inhalt und Ziel der neuen Rubrik. Den spannenden, vielleicht Richtung weisenden Beitrag von Jade Lindgaard, den Gerhard Kilper entdeckt, vom Französischen ins Deutsche übersetzt und dafür die Autorin zur Autorisierung mit Erfolg kontaktiert hat, empfehle ich ebenfalls zur Lektüre.

Rückblick, Ausblick und Danksagung

Gestern Mittag, als ich von der nahe gelegenen Poststation zwei Büchersendungen (nicht von Amazon!), darunter ein Geschenk eines Abonnenten und ein weiteres Weihnachtsgeschenk, herausholte und mich dann bei strahlendem Sonnenschein, ein Weihnachtslied vor mich hin pfeifend, Hilka gut gelaunt vor mir hertänzelnd, mich wieder zurück ins Café begab, um weiter zu arbeiten, dachte ich wirklich: “Arm, aber glücklich. Ich bin arm, aber richtig glücklich.” Das lässt sich natürlich leicht missverstehen. Aber ich bin es wirklich. Würde das Geld nicht länger zur Miete reichen, was sich ja kurzfristig herausstellen wird, dann wäre ich sicherlich nicht mehr glücklich. Was dieser Satz aber darüber hinaus bedeutet, ist natürlich: Ich bin glücklich über die Menschen, mit denen ich zu tun habe, und über das, was ich zu tun habe. Und dass ich gesund bin. Jeden Morgen blühe ich in meiner Arbeit auf. “Du bist immer so positiv und gut gelaunt, obwohl Du dauernd so kritische Texte schreibst”, sagte eine Freundin neulich zu mir. Und sie hat ja so recht.

Auf das Jahr zurückblickend, war es natürlich die wichtige und richtige Entscheidung, Wirtschaft und Gesellschaft auf Abonnement umzustellen. Meine Arbeit muss mein Leben finanzieren, und reicht es auch nur für Miete, Krankenversicherung und Essen. Ein weiterer Höhepunkt war die Bereitschaft von Ursula Engelen-Kefer, Heiner Flassbeck und Manfred Maurenbrecher, Wirtschaft und Gesellschaft mit herauszugeben. Die Finanzierung dieses Mediums und meiner Arbeit liegt allerdings allein bei mir – und Ihnen, als Abonnentinnen und Abonnenten und als Spenderinnen und Spender. Besonders Ursula Engelen-Kefer hat sich mit zahllosen Gastbeiträgen, die sich einer großen Leserschaft erfreuen, engagiert. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle auch an alle anderen Autoren, die Gastbeiträge für Wirtschaft und Gesellschaft geschrieben haben. Besonders dankbar bin ich auch Heiner Flassbeck für seinen Text zur Mit-Herausgeberschaft, und dass er nun schon seit Jahren ein zuverlässiger, hilfsbereiter, aufrichtiger, kompetenter und kritischer Wegbegleiter für mich ist. Ebenso dankbar bin ich auch Manfred Maurenbrecher für seine Texte und wertvollen Gedankenaustausch.

Ein wichtiger inhaltlicher Schritt war in diesem Jahr, die Konjunkturanalyse zu vertiefen und auszubauen. Die von Claus Köhler entwickelte Spannungszahl übte dabei auf mich einen besonderen Reiz aus. Jetzt erstelle ich sie monatlich für Deutschland und Frankreich. Hierüber habe ich auch Kontakt zu Claus Köhler herstellen können, der mich seitdem – für mich eine ganz große Freude und ein ganz großer Gewinn – schon desöfteren mit Rat und Tat und noch dazu völlig unkompliziert, äußerst schnell, informationsfreudig und zuverlässig auf Fragen antwortend begleitet hat. Seine verständlichen Analysen haben mir neue Türen in die Volkswirtschaftslehre geöffnet. Dankbar bin ich auch den , die sehr häufig Artikel von mir verlinkt haben. Mehr als ein großes Vergnügen war es in diesem Jahr auch, beim SPD-Ortsverein in Kempen zu referieren und zu diskutieren. Einladungen wie jene, würde ich mir häufiger wünschen. Sehr gefreut habe ich mich auch über Leser/innen-Kommentare auf und über die Leserbriefe, die ja durchaus gelegentlich kritisch und emotional ausgefallen sind. Das aber ist auch ausdrücklich gewünscht. Vielen Dank auch dafür.

An Themen wird es auch im Neuen Jahr nicht mangeln. Die größte und greifbarste Sorge und Herausforderung zugleich ist die unerträglich hohe Arbeitslosigkeit und soziale Not in der Europäischen Währungsunion (siehe hierzu bitte auch: Jugend ohne Gott – nur die Wahrheit aussprechen erlöst). Worauf ich weiterhin Wert legen möchte, ist die Mischung aus volkswirtschaftlicher Analyse, Politik und Kultur, eigenen Beiträgen und Gastbeiträgen. Beibehalten werde ich auch das Vorgehen, aufwändigere, aber auch besonders eigenständige Beiträge im Abonnement zu veröffentlichen, immer aber auch freie Beiträge hereinzunehmen. Gastbeiträge sollen wie gehabt immer frei für alle Leserinnen und Leser erscheinen.

Was ich mir für Wirtschaft und Gesellschaft zu Weihnachten wünsche? Viele, viele neue Abonnentinnen und Abonnenten. Und dass die bisherigen Abonnentinnen und Abonnenten dabei bleiben, was dankenswerterweise bis jetzt der Fall war. Kooperationen mit Universitäten und anderen Organisationen, auch Schulen, einzelnen Professorinnen und Professoren und Lehrerinnen und Lehrern, die neben der inhaltlichen auch eine finanzielle Unterstützung böten, wären möglicherweise auch ein Gewinn für Wirtschaft und Gesellschaft. Bereits jetzt haben Professoren, aber auch Studierende (Studierende für 5 Euro im Monat), Wirtschaft und Gesellschaft abonniert. Überhaupt ist das Spektrum der Abonnentinnen und Abonnenten sehr breit, worüber ich mich sehr freue. Es reicht, Generationen übergreifend, von engagierten Privatpersonen, über Deutsche in den USA, Bundestagsabgeordnete, Studierende bis hin zu beruflich interessierten Leserinnen und Lesern. Eine kleine Redakteursstelle, vielleicht für eine feste Zeitungskolumne, wäre auch äußerst reizvoll und würde helfen, inhaltliche Synergien zu erzielen und dieses Medium auf finanziell sicherere Füße zu stellen. Aber das ist wohl in der derzeitigen deutschen Medienwelt ein frommer Wunsch. Ein paar Talk-Show-Auftritte würden sicherlich auch helfen, Wirtschaft und Gesellschaft bekannter zu machen und den Leserkreis zu erweitern. Wohl eine ebensolche Illusion. Aber was ist das Leben ohne Illusionen!

Ich grüße Sie alle ganz herzlich und wünsche frohe Weihnacht,

Ihr Florian Mahler

Bahnhof Friedrichstraße, Berlin

Der vollständige Wirtschaft und Gesellschaft – Analyse & Meinung-Adventskalender hier.

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Sie können helfen, unseren Leserkreis zu erweitern!

Wirtschaft und Gesellschaft hat jetzt auch eine und freut sich über jedes “Gefällt mir”.

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