Tag Archiv für Interview

G20: Gabriel diskutiert mit Trump – und stellt die Welt auf den Kopf

Wenn es stimmt, was Die Welt heute früh berichtet – und wir weisen unten auf die Quelle zum Interview hin – , hat Außenminister Gabriel im Gespräch mit Trump die reale Welt auf den Kopf gestellt. Das wiegt um so schwerer, weil Gabriel bis vor kurzem noch Bundesminister für Wirtschaft und Energie war, die Faktenlage also kennt.

Marcel Fratzscher ad absurdum geführt: Isch over! – Von Christian Christen*

Da fahre ich gestern auf der Autobahn und höre durch Zufall beim Deutschlandfunk rein. Ich traue meinen Ohren nicht. Im Interview geben der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratscher, und, als sein Stichwortgeber, Jasper Barenberg eine der vielen seichten Wortmeldungen zu Trump und dessen Handelspolitik zum Besten.

Aufregung über Trump und Hammond: Deutsche Meinungsführer betriebsblind

Die Aufregung in Deutschland ist groß: Der neu gewählte US-Präsident Trump nimmt, noch nicht einmal im Amt, schon die deutschen Exportüberschüsse ins Visier. So auch der britische Finanzminister Hammond. Kann es aber wirklich überraschen, dass gerade die Regierungen der beiden Länder, mit denen Deutschland seine höchsten Handelsüberschüsse erzielt, gegen Deutschland aufbegehren?

Der Deutschlandfunk und die SPD: Wie Journalismus und Politik versagen

Ansich hatten wir gehofft, an dieser Stelle das Interview der Woche besprechen zu können, das der Deutschlandfunk mit Sigmar Gabriel geführt und gestern augestrahlt hat. Sigmar Gabriel ist in Personalunion Partei-Vorsitzender der SPD, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland und möglicher Kanzlerkandidat der SPD für die in diesem Jahr anstehende Bundestagswahl. Allein, das Interview ist von Frank Capellan von Beginn so anbiedernd und nichtssagend geführt worden, es verbleibt bis zum bitteren Ende so sehr an der Oberfläche, dass es inhaltlich kaum etwas zu besprechen gibt. Ein besonders trauriges Stück Journalismus. Vielleicht ein weiteres Beispiel dafür, dass nicht nur so genannte fake news – falsche Nachrichten -, die keineswegs ein alleiniges Phänomen der sozialen Netzwerke sind, sondern leider auch etablierter Medien, ein Problem sind, sondern auch no news – keine Nachrichten. Vielleicht macht das Interview darüber hinaus einmal mehr deutlich, dass eine zu große Nähe von Journalisten zu Politikern der kritischen Interview-Führung mehr schadet als nützt. Frank Capellan bringt diese Nähe fast kindlich naiv zum Ausdruck, wenn er sich mit den Worten an Gabriel und die Zuhörer des Deutschlandfunks wendet: “Ich möchte gerne erzählen, dass ich mit Ihnen im vergangenen Jahr in Marokko war.” Das größte journalistische Versagen liegt darin begründet, dass versäumt wird, kritische Fragen zu stellen, die sowohl auf den Nägeln brennende, weil die Lebenswirklichkeit vieler Menschen betreffende Themen und Zusammenhänge ansprechen, als auch nach der damit verbundenen politischen Verantwortung der Interviewten fragen. Im Interview mit Gabriel wird dieses Versagen besonders deutlich, wenn es um die AfD geht. In einem Interview, das Doris Simon nur wenige Tage zuvor mit dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD und Haushaltspolitiker, Carsten Schneider, für den Deutschlandfunk geführt hat, versäumt es die Moderatorin wiederum eine wesentliche Aussage Schneiders zu hinterfragen. Auch das lenkt von zentralen politischen Entwicklungen und deren Ursachen ab, indem no news produziert werden, und verhindert damit nicht zuletzt zu erklären, warum die AfD von Erfolg zu Erfolg eilt, was uns wieder zum Gabriel-Interview zurückführt. Wir können vergleichbares bei der Berichterstattung über Trump oder über Putin beobachten, wollen die unten stehende Analyse aber nicht überfrachten…Der Deutschlandfunk und die SPD: Wie Journalismus und Politik versagen (vollständiger Beitrag im Abonnement)

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SPD: Wann Medienpräsenz schadet

In Sachen Medienpräsenz kann sich die SPD grundsätzlich nicht beklagen. Das zeigt nicht zuletzt unsere monatliche Medienanalyse (siehe zuletzt hier). Beklagenswert – zumindest für die SPD – aber sind ihre Umfrageergebnisse. Zuletzt lag die SPD dort auf Bundesebene bei 20 bzw. 21 Prozent (siehe hier, Stand: 3. Januar bis 5. Januar 2017, bei vier Meinungsforschungsinstituten). Generell sollte eine angemessene Präsenz in den Medien einer Partei nutzen. Bei der SPD ist das offensichtlich nicht der Fall. Sie hat in der Wählergunst verloren, ausgehend von einem ohnehin niedrigen Niveau seit der historischen Wahlniederlage 2009 und dem nur mäßigen Wahlergebnis 2013. Wie kann das sein?

SPD: Oppermann gesteht Scheitern der SPD ein

Die SPD regiert seit 2013 gemeinsam mit der CDU/CSU. In ihrer Regierungszeit von 1998 bis 2005 hat sie mit der Agenda 2010 die Grundlage für einen umfassenden Sozialabbau gelegt. Die damit verbundenen sozialen Verwerfungen stärken heute die Parteien am rechten Rand. Der SPD bescheren sie aktuell ein Umfragetief, das, sollten die Umfragen zutreffend sein, sie noch hinter ihr letztes Wahlergebnis (2013: 25,7%) zurückwirft. Einige Umfrageergebnisse drücken die SPD sogar noch unten die historische Wahlniederlage von Frank Walter Steinmeier bei der Bundestagswahl 2009 (23%). Heute hat der Fraktionschef der SPD, Thomas Oppermann, im Deutschen Bundestag dem Deutschlandfunk ein Interview gegeben und – sicherlich unbewusst – erklärt, dass die Politik der SPD komplett gescheitert ist.

Udo Lindenbergs Engagement gegen Rechtspopulismus ist ehrenwert – warum er sich damit an Gabriel wenden sollte

Unter der Überschrift “Udo Lindenberg gegen Rechtspopulismus – Helene, hast Du andere Pläne?” berichtet Spiegel online: “Am 5. Dezember wird Lindenberg als ´Düsseldorfer des Jahres´ für sein Engagement gegen Rassismus und für mehr Toleranz geehrt.” Mit Verweis auf ein Interview, das Lindenberg mit der Rheinischen Post geführt hat, gibt Spiegel online den Künstler dann mit den Worten wieder: “Im Interview mit der ´Rheinischen Post´ hat der Rockmusiker jetzt ein klareres Bekenntnis seiner Kollegen gegen rechts gefordert. Er fände es gut, ´wenn von Helene Fischer auch mal ein Statement käme gegen Rechtspopulismus´, sagte der 70-Jährige.” Noch wichtiger als ein Statement ist allerdings, dem Rechtspopulismus seine Grundlage zunehmen. Hierzu könnte sich Lindenberg direkt an den Vize-Kanzler, Bundesminister für Wirtschaft und Energie und SPD-Parteivorsitzenden, Sigmar Gabriel, wenden, zu dem er offensichtlich einen guten Draht hat.

Syrien, Medien: Wie sich der Deutschlandfunk zur Kriegspartei macht

Dafür, dass die Entstehung des Krieges in Syrien und dessen Andauern bis heute nicht allein aus der eigenen Entwicklung des Landes resultieren, spricht schon die schiere Dimension des Krieges. Aus Demonstrationen, werden sie auch noch so brutal von einer Regierung niedergeschlagen, entsteht nicht einfach so ein Krieg, erst recht nicht diesen Ausmaßes. Im Gegenteil. Eine sich als allmächtig und allein legitim begreifende Regierung versucht mit allen Mitteln jede Opposition zu verhindern, die ihr gefährlich werden könnte, und, sollte sie doch einmal offen ausbrechen, sie im Keim zu ersticken. Wir kennen das aus der noch jüngeren Entwicklungsgeschichte Chinas. Stichwort: Tian´anmen Platz. Auch der so genannte “arabische Frühling” hat, wie beispielsweise in Tunesien, ähnliche Reaktionen der Staatsgewalt hervorgerufen. In Tunesien hat sich der Staat als zu schwach erwiesen und ist gefallen. Heute aber wird Tunesien wieder diktatorisch regiert. Solche Umbrüche von der “Revolution” zur “Reaktion” kennen wir im übrigen in der historischen Betrachtung seit langem. Man denke nur an die Französische Revolution und die Reaktion danach. Wie unterschiedlich jene jüngeren Entwicklungen auch verlaufen sein mögen, so sehr eint sie doch, dass von innen heraus keine Kriege entstanden sind, die der Dimension in Syrien auch nur annährend vergleichbar wären. Anders in anderen Staaten, wie beispielsweise in Libyen oder im Irak oder auch in Afghanistan. Dort wurde versucht, von außen die Machtstrukturen umzuwälzen. Die Rechtfertigung der westlichen Welt lautete dabei noch immer, jenen Ländern die Demokratie bringen zu wollen. Selbst, wenn dies aufrichtig gemeint wäre, sind diese Versuche doch regelmäßig gescheitert. Sie zeugen von einer schlimmen Geschichtsvergessenheit, historischer Unwissenheit, und belegen nicht zuletzt wohl auch ein Machtstreben und eine moralische Überheblichkeit, die angesichts der eigenen historischen wie gegenwärtigen Entwicklung unserer Länder, die selbst noch eine vergleichsweise junge Demokratiegeschichte haben, erschreckend und völlig unangebracht ist. Was nun letzteres Phänomen anbelangt, spielen die Medien eine ebenso maßgebliche wie verheerende Rolle. Ein jüngeres Beispiel dafür lieferte der öffentlich-rechtliche Deutschlandfunk. Es steht geradezu exemplarisch für die im besten Fall naive Einseitigkeit und Oberflächlichkeit, die in führenden Medienhäusern gang und gäbe geworden zu sein scheint – und sie zur Kriegspartei macht.

Martin Schulz: Warum sagt er nicht “Deutschland ist ein Problem für die ganze Welt”?

“Trump ist nicht nur für die EU ein Problem, sondern für die ganze Welt”, hat der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, gerade im Interview mit Spiegel online verlauten lassen. Schulz weiter: “Meine Sorge ist, dass er Nachahmer auch in Europa beflügeln könnte.” Wieso “Nachahmer”, sind sie etwa nicht schon längst da? In seiner Verantwortung als Präsident des EU-Parlaments müsste Schulz aber wenn schon zuallererst diese Frage umtreiben: “Warum könnte Trump Nachahmer auch in Europa beflügeln?” Dass Schulz sich diese Frage nicht stellt, wird in anderen Aussagen von ihm im Interview deutlich und darin, dass er gravierende Probleme gar nicht erst anspricht.